Auswandern und leben im Freiheitsland Paraguay

  • 3. Juli 2020

Wie lebt es sich im Freiheitsland Paraguay, einem hochinteressanten Land? Wir haben heute einen Gast, der schon sehr lange hier in Paraguay ist - Peter Kassl.

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Thorsten Wittmann: Auswandern und leben in Paraguay, einem hochinteressanten Land. Wir haben heute einen Gast, der schon sehr lange hier in Paraguay ist - Peter Kassl. Wie lange bist du inzwischen in Paraguay lieber Peter?

Peter Kassl: Ich bin 1988 hierher gekommen. Das war noch das letzte Jahr unter Stroessner. '89 war dann der Putsch.

TW: Also knapp 30 Jahre inzwischen?

PK: Ja, 32-33 Jahre fast schon.

TW: Du kennst das Land inzwischen ziemlich gut. Was hat dieses exotische Land, das man vielleicht noch vom Namen her kennt, aber das politisch keine große Rolle spielt, als interessantes Freiheitsland zu bieten? Das werden wir uns heute ein bisschen näher anschauen. Herzlich willkommen zu Faszination Freiheit, wie jeden Freitag. Heute schauen wir uns ein besonderes Freiheitsland an. Peter was hat dich damals verschlagen hier nach Paraguay zu kommen?
Warum Freiheitsland Paragua

PK: Na ja, ich habe einen Vater und eine Verwandtschaft, sprich meinen Onkel. Wir kommen alle aus einer bäuerlichen Familie und sind begeisterte Bauern. Die haben damals gehört, dass es hier in Paraguay unglaublich fruchtbare Erde gibt, 3x Ernten im Jahr, tropisches Klima und es sehr günstig ist. Ich war damals 24-25 Jahre und dann haben sie gesagt: „Du, hast du nicht Lust da runterzufahren und dir das anzuschauen?“. Und dann habe ich gesagt: „Ich schau's mir an. Wieso denn nicht?“ Ich bin damals mit der Aeroflot über Moskau nach Buenos Aires gekommen. Dann habe ich dort nach einem Anschlussflug geschaut. Bin dann da hochgekommen und hab mir das dann drei Monate lang angeschaut. Bin kreuz und quer durchs Land mit dem Bus gereist, hab mir landwirtschaftliche Betriebe angeschaut und für mich war klar, dass ich in der Landwirtschaft nicht arbeiten will. Weil es brutal hart war, das heißt tropisches Klima, Hitze.

TW: Hast du dich in dieses Land damals verliebt, kam am Anfang oder später? Wie war's für dich?

PK: Bei mir war's so, ich bin hergekommen und habe gesagt: Es ist alles irgendwie so komplett anders, wie auf einem anderen Planeten. Ich habe die Leute bezüglich der Sicherheit usw. gefragt. Es gab keine Gitter, es war ein absolut sicheres Land und dann habe ich gefagt: Und steuermäßig? „Ja es gibt bei uns kein Delikt der Steuerhinterziehung.“ 1988! Was ist das? Wie geht das? Ich habe mich erkundigt, von was der Staat lebt? Hauptsächlich von Zolleinnahmen vom großen Staukraftwerk Itaipu, also vom Stromexport. Damit wird etwas verdient. Das waren für mich undenkbare Geschichten. In Asunción gab es keine Ampeln. Das waren 6-700.000 Leute vorort. Eine Hauptstadt, 2-3 Ampeln und die waren meist kaputt und der Verkehr hat dennoch funktioniert. Für mich war das ein Moment, wo ich gesagt habe: Diese Überzivilisation, wie wir sie in Europa haben, es geht auch anders. Die Leute waren gemütlich drauf. Warmes Klima liebe ich so und so. Ich bin dann wieder zurück nach Österreich und es hat in mir gearbeitet.

Ich bin im nächsten Jahr zurück. Landwirtschaft, das wird nicht so meins sein. Ich habe mit Tourismus und mit Hotellerie langsam angefangen. Aber ich kann dir nicht sagen, warum genau. Es ist wahrscheinlich… Du sprichst gern von Freiheit, ich auch.  Es ist wahrscheinlich genau dieser Aspekt. Ich habe mich hier nicht eingeengt gefühlt.

TW: Guter Vergleich. Es gibt kein enges Korsett, es gibt so gesehen wenig Bürokratie. Man kann hier einfach sein und leben.

PK: Genauso ist es. In den urbanen Gebieten ist es schon etwas organisierter und es gibt mehr Vorschriften, mehr Kontrolle usw. Bei weitem noch nicht so wie in Europa. Aber auf dem Land draußen, da wo wir jetzt sind, oder wenn ich mir so große Farmen anschaue oben im Chaco z. B., da habe ich Bekannte und Freunde, die haben da 20-30.000 Hektar, das ist wie ein Staat im Staat. Das sind solche gigantischen Täler, wie 4-5 ländliche Gemeinden zusammen in Österreich. Da ist mit drauf ein eigenes Schulsystem, Krankenstation, usw. Da kommt man mit dem Flugzeug dann 1-2-mal im Monat hin, schaut, kontrolliert und das ist dann alles. Das sind ganz andere Dimensionen.

TW: Wir können es einmal einblenden, wie es hier aussieht. 
Natur in Paraguay

Wunderschön mitten in der Natur. Hier sind auch ein paar Tiere. Hunde, Katzen, Sträuße haben wir hier sogar.

PK: Ja, Sträuße haben wir, paraguayische.

TW: Einen Pfau haben wir hier auch.

Hier kann man es gut aushalten, auch in der Natur. Sehr schön, angerichtet bei euch. Was hat sich seit deiner Ankunft verändert? Wie sich Paraguay entwickelt?

PK: Es hat sich enorm viel getan in den letzten 30 Jahren, vor allem auf dem zivilisatorischen Bereich. D. h., die Infrastruktur ist besser geworden. Es sind alle Großstädte mittlerweile mit ordentlichen Asphaltstraßen verbunden. Asunción, die Hauptstadt ist unglaublich gewachsen. Du musst dir vorstellen, als wir angekommen sind als Deutsche, hat es verschiedene Lokale gegeben, wo man sich getroffen hat. Restaurants und dann war immer die Geschichte „Du, hast du schon gehört? In diesem Supermarkt,…“ Damals gab es einen großen Supermarkt. Da waren lauter kleine Despensas, wie sie hier sagen, so kleine Läden. Aber in diesem großen Supermarkt, das war glaube ich Unicentro oder Unimarkt oder irgendwie so, egal. „…Da gibt es neuen frischen Käse aus Chile, ganz toll!“ Es hat hier viele Sachen nicht gegeben und wenn ich das jetzt vergleiche 30 Jahre zurück und jetzt, jetzt kriegst du alles hier! Jetzt hast du die ersten Shopping Malls. Jetzt hast du die besten Hotels hier. Hotels waren ein großes Thema. Es hat 1-2 Vernünftige geben, alles andere waren Hütten und Baracken.

TW: Also ich war 2012 das erste Mal hier. Da haben wir uns ja auch kennengelernt.  Es hat sich viel getan, definitiv! Also Paraguay ist ein sehr aufstrebendes Land.

PK: Ja. Wir haben ja jedes Jahr 4, 5, 6, 7 % Wirtschaftswachstum gehabt!

Du musst dir vorstellen, ich habe es hier erlebt in den letzten 25-30 Jahren, ich habe zwei Crashs in Argentinien erlebt. Paraguay hat nie einen Crash gehabt in der Form. Es hat eine Bankenkrise gegeben, es ist runtergegangen. Aber es hat immer ein stetiges Wachstum nach oben gegeben. Also in Paraguay hat es nie eine Überschuldung gegeben. Brasilien, Argentinien, alle maßlos überschuldet. Paraguay, die Schulden steigen auch, aber bei Weitem nicht so wie bei den Nachbarländern.

TW: Ich lebe jetzt zum Teil auch in Buenos Aires und ich kenne den Vergleich sehr gut zwischen Argentinien und Paraguay. Ich glaube auch viele, wenn sie Südamerika hören, dann haben sie häufig Chaos im Hinterkopf. Paraguay ist da das genaue Gegenteil. Jedes Land in Südamerika ist generell anders. Es gibt Chaosländer, wie beispielsweise Venezuela. In Paraguay ist man vom Chaos weit entfernt. Es ist ein ruhiges Land. Ich sage immer gern „Paraguay ist spektakulär unspektakulär!“ Es passiert hier nicht so viel. Man könnte in gewissem Maße auch sagen „langweilig“, aber auf eine positive Art und Weise.

PK: Ja, ich weiß, was du meinst. Es ist die Frage, was einem wichtig im Leben ist. Für mich ist es, ich würde es alles unter dem Begriff zusammenfassen, „Ich möchte einfach meine Ruhe haben!“ verstehst? Ich möchte in Ruhe gelassen werden, nicht traktiert werden mit enormen Steuern wie in Europa mit irgendwelchen blödsinnigen Vorschriften. Ich möchte selbst gestalten können, ohne dass mir jemand reinpfuscht. Das kann ich hier in Paraguay weitestgehend. Nicht mehr so wie vor 30 Jahren. Es gibt hier auch mehr Vorschriften. Es gibt hier auch mehr Steuern. Es ist trotzdem lächerlich im Vergleich zu drüben. 10 % Mehrwertsteuer. 10 %, wenn du Gewinne mit der Firma machst und 10 % Einkommenssteuer. Die Einkommenssteuer gibt es seit 7-8 Jahren und davor hat es weder Einkommenssteuer noch Mehrwertsteuer gegeben unter Stroessner. Nicht einmal das Delikt der Steuerhinterziehung hat existiert. Was ist das? Insofern ist das eigentlich mit einer, für Unternehmer, für Leute die risikobereit sind, die auch mit Chaos zurechtkommen, ist es noch immer ein gutes, tolles Land. Man muss nur auch die Hitze abkönnen. Das heißt, wir haben hier ein subtropisches Land. Im Sommer hat es hier, wir sind hier im Nahfeld von Asunción von der Hauptstadt, manchmal 37-38 Grad. Klar das ist natürlich für Leute, die das nicht mögen, nicht ideal.

TW: Man muss auch sagen, wir sitzen jetzt gerade langärmlich hier. Warum? Weil hier gerade Winter ist, genau zeitversetzt. Wir machen das Interview gerade im Juni. Das ist hier im Winter, genau andersrum. Wir haben jetzt heute einen relativ kühlen, frischen Tag erwischt und jetzt haben wir hier tagsüber so um die 20 Grad

PK: Und es fühlt sich an wie wahrscheinlich 10, weil die Luftfeuchtigkeit natürlich sehr hoch ist und wenn dann Temperaturen runtergehen, dann empfindet man die Kälte auch viele intensiver.  Der Winter ist glücklicherweise kurz hier, das heißt 2-3 Monate. Und die Häuser sind meistens für den Winter gar nicht ausgelegt. Das heißt, das ist schlecht abgelichtet, keine ordentlichen, vernünftigen Feuerstellen, keine Öfen, die das warm machen. Sondern nur mit der Klimaanlage und das kann schon ein bisschen kühl werden.

TW: Wobei es sind immer nur insgesamt, wenn man rechnet über den Winter verteilt vielleicht ein paar Wochen.

PK: Ja. Das ist richtig. Du hast vielleicht 30 kühle Tage im ganzen Jahr. Das ist ja nichts gesagt und dann ist natürlich wieder ein Top-Wetter. Das heißt, wenn das früher beginnt so September, Oktober, November, traumhafte 30 Grad fast immer. Man hat nicht die extrem hohen Temperaturen und kalt ist auch nimmer und dann hast du natürlich wieder den Dezember, Januar, Februar die sind hot, hot, hot.

TW: Da wird’s schon heiß. Da braucht man halt einfach eine Klimaanlage.

PK: Dann ist wieder Top-Wetter.

TW: Aber abends ist es dann natürlich auch angenehm, wenn man dann richtig schön draußen sitzen kann kurzärmlig.

PK: Klar.

TW: Ja hier, wenn man es vielleicht mit dem Mikro noch ein bisschen hört die Vögel. Ja auch exotische Tiere, aber keine gefährlichen Tiere hier in Paraguay.

PK: Es gibt natürlich Spinnen, es gibt natürlich Schlangen, aber man siehts ja auf der Kamera, aber wenn du ein sauberes Umfeld hast, sprich gepflegtes Umfeld, wo der Rasen ordentlich gemacht ist und nicht verbuscht ist, die ganze Gegend, dann hast du diese Tiere auch nicht am Haus. Natürlich wenn du in den Busch reingehst, schaut das natürlich anders aus. Ist ja logisch.

TW: Häufige oder auch wichtige Frage. Wie ist das denn mit Kriminalität hier?

PK: Gibt es natürlich und man muss schauen, wo man sich, sprich wenn Leute sich ansiedeln wollen, in welche Zone man geht und welche Zonen man besser meidet. Ich pendele hier zwischen der Hauptstadt Asunción und einer Ranch, wo wir jetzt gerade sind. Die ist eine Stunde von Asunción entfernt. Das heißt, in Asunción hast du natürlich Gegenden, wo du besser in der Nacht um 12 Uhr nicht auf der Straße herumspazierst. Aber das ist ja überall so. Es gibt andere Gegenden wieder, wo es absolut sicher ist.

TW: Muss man auch sagen, dass es in Berlin, in München, den anderen Großstädten genauso ist. In manche Viertel geht man nicht rein, manche Viertel sind bekannter dafür, dass es dort Kriminalität gibt. Andere Viertel sind sehr ruhig.

PK: Genau. Man muss das vergleichen. Wenn ich die Fotos sehe und die Bilder und die Berichte aus Caracas z. B. oder teilweise aus Buenos Aires oder aus Rio von den Favelas und so weiter, das gibt es hier fast gar nicht. Kaum in diesem Ausmaß. Das hängt davon ab wo du bist, in welcher Zone, was du für eine Nachbarschaft hast.

Natürlich wenn du in eine bettelarme Gegend auf dem Land kommst und auch wenn du für europäische Verhältnisse nicht reich bist, aber du schon mal einen Fernseher hast, ein vernünftiges Auto, bist du hier schon reich. Da kann natürlich sein, dass da der Fernseher weg ist oder das Auto auch weg ist, wenn du in Gegenden bist, wo du mittendrinnen, alleine praktisch wie auf einem Präsentierteller serviert wirst, verstehst?

Viele zeigen das dann auch noch, führen sich dann noch irgendwie so ein bisschen präpotent auf und so weiter. Das heißt, das hängt einfach auch ab davon, wie man in den Wald schreit, so hallt es auch zurück. Wenn man halbwegs vernünftig ist, ist das kein Problem.

TW: Also ich bin seit 2012 Jahr regelmäßig in Paraguay. Also ich hatte noch nie ein Unsicherheitsgefühl muss ich sagen. Es ist schon ein ruhiges Land insgesamt. Man schaut ein bisschen auf und vielleicht läuft man jetzt nicht mit seiner Rolex rum auf der Straße und gerade nicht in unguten Vierteln.

PK: Oder auf dem Markt.

TW: Ansonsten ist es hier wirklich sehr überschaubar. Wir haben jetzt schon viel besprochen. Komplettieren wir noch vielleicht die Liste der Vorteile. Wir haben schon einiges genannt. Fällt dir da noch was ein? Was gefällt dir am besten an Paraguay? Dass du hier quasi hängen geblieben bist schon seit mehreren Jahrzehnten?

PK: Wie ich Eingangs schon gesagt habe, dass ich frei gestalten kann. Frei gestalten, wenig Steuern. Mit 10 % kann ich ja herrlich leben. Und die Natur und das Klima auch. ich bin kein Fan vom Winter. Kann mir gestohlen bleiben und ich komme mit den Leuten auch sehr gut zurecht. Ich mag auch die Mentalität, auch wenn sie manchmal, das heißt, wenn du terminmäßig arbeiten willst oder genaue, exakte Arbeit willst, ist das oft schon mühsam. Sagen wir es so.

TW: Man braucht ein gutes Netzwerk für solche Sachen, wo man weiß, das wird ordentlich erledigt.

PK: Durch die Jahre baust du dir natürlich die Leute auf. Du weißt, der hat den Fehler, der hat diesen Vorteil, der macht das gut und dann hast du, du musst sie richtig einsetzen können. Das funktioniert anders, wie drüben. Wenn du drüben ein Haus baust zum Beispiel, dann hast du eine Haftung. Das heißt du hast Möglichkeiten etwas einzuklagen, wenn was nicht funktioniert. Hier kannst du das alles vergessen. Das heißt, du musst alles selber organisieren. Du kannst hier mit einem Bauunternehmer bauen. Du kannst auch mit irgendeinem Maurer ein Hochhaus bauen. Es gibt keine Standards in dieser Form. Das heißt, es ist immer Eigenverantwortung. Mir gefällt das.

TW: Sprechen wir ein bisschen über die Nachteile, und jedes Land, jede Kultur hat Nachteile. Paraguay hat auch seine blinden Flecken, die man vielleicht sogar gerade als Auswanderer, wenn man jetzt hier leben möchte, nicht sieht. Ich denke, das ist ein gutes Beispiel, dass man ja nicht einfach herkommt und drauflos baut. Man muss erstmal hier verstehen, wie das Land tickt und dass man hier, es wird mehr gesagt und nicht unbedingt so gemacht.

Kommt darauf an, auf die Leute. Also es ist anders und es wird dann manchmal nicht so genau genommen. Das kennt man ja aus dem spanischen „mañana“ heißt ja morgen. Aber wenn die Leute hier „mañana“ sagen…

Das heißt ja nächste Woche!

Das heißt, ja vielleicht irgendwann. Kann man es bei manchen Leuten so übersetzen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, es gibt sehr, sehr zuverlässige Paraguayer, aber muss mehr danach suchen. Wenn man da nicht aufpasst, dann wird man hier auch gern mal über den Tisch gezogen.

PK: Ja, logisch. Es ist so, die guten Paraguayer, das heißt gut, fähig in dem Sinne und anständig. Ja oder auch nicht. Aber die fähigen gibt es natürlich und die sind meistens selbstständig. Das heißt, Leute, die da irgendwo im Angestelltenverhältnis sind, die den Lohn haben wollen, die sind meistens nicht sehr ambitioniert. Das sind ganz viele, viele träumen.

TW: Es gibt auch so eine Einstellung, aber das ist auch das Positive, die Leute leben im Hier und Jetzt. Das Morgen, dass ist denen auch nicht so wichtig. Weil hier in Paraguay ist es wirklich schwer hier nicht zu überleben. Also man kann nicht erfrieren, dafür ist es einfach nicht kalt genug. Na die zwei, drei Wochen, die kriegt man rum.

PK: Es gibt immer einen Baum, wo eine Frucht runterfällt.

TW: Es ist ein Paradies, was Landwirtschaft betrifft. Also viele Fruchtbäume etc. Ich kann es nicht bestätigen, aber anscheinend soll man auf den Flächen Paraguay mit der Fruchtbarkeit und all dem so viel anbauen, dass man eine Milliarde Menschen ernähren kann. Auf jeden Fall ein extrem fruchtbares Land. Also man kann hier nicht verhungern. Also du musst dir vorstellen, ich habe es glaube ich schon gesagt, man kann dreimal im Jahr die gleiche Fläche ernten. Das heißt, die nehmen das Soja vom Feld, sehen dann sofort den Mais ein und dann kommt meistens noch irgendeine Frucht, Weizen oder sonst irgendwas. Dreimal im Jahr und ohne Aufwand. Verstehst? Du hast keinen Winter hier. Die Rinder rennen alle frei herum. Bei uns hast du ja Stallungen ohne Ende. Der Winter ist in Europa ein Riesenaufwand. Du musst das ganze Heu, du musst das ganze Zeug, musst Vorratshaltung machen. Das ist natürlich ein unglaublicher Vorteil hier.

TW: Vielleicht auch interessant gerade für Fleischliebhaber. Es gibt sehr, sehr gutes Rindfleisch. Soll mit Argentinien zu den Besten gehören. Ich persönlich esse kein Fleisch, aber ich höre immer wieder von den Menschen hier, dass das Rindfleisch wirklich sehr, sehr gut sein soll. Hier darf, ich nenne es mal so, hier darf ein Rind auch noch ein Rind sein. Es läuft einfach hier auf der Weide rum. Man hat wirklich Platz, es gibt keine Massentierhaltung. 

PK: Wenig, es gibt wohl. Aber das Große, die ganze Rinderproduktion ist hier oben im oberen Bereich von Paraguay Richtung Chaco. Das sind gigantische Rinderfarmen und da zahlt sich es ja gar nicht aus, dazu zu füttern. Das heißt, die rechnen da pro Hektar mit ein bis zwei Rindern.

TW: Auf einem Hektar!

PK: Auf einen Hektar. Richtig. Das sind Farmen mit 20,30,40.000 Hektar. Und das sind gigantische Betriebe und da wird wirklich nur Gras gegessen. Sonst gar nix. Das spürst du sofort. Es gibt Leute hier, die sich spezialisieren abgemagerte Rinder zukaufen, wenn es irgendwo mal eine Dürre gibt und die werden dann hochgefüttert und das Fleisch von diesen hoch gefütterten Tieren verglichen mit den anderen, die aus dem Chaco kommen, die nur Weide haben - ein gigantischer Unterschied! Aber das Große ist Chaco, also Top-Qualität.

TW: Kommen wir mal auf den typischen Paraguayer, weil Paraguay ist ja auch dahin gehend ein ganz interessantes Land, weil wenn Glück gemessen wird, Paraguay immer ganz weit oben dabei ist, und häufig so auf Platz eins von Glücksstudien.

Der Paraguayer, wie tickt er? Der ist ja wirklich interessant. Weil ich seh das immer so, der typische Paraguayer ist vielleicht nicht immer der Zuverlässigste, nicht der Strebsamste. Aber genau deswegen, der ist glücklich und zufrieden mit dem, was er hat und ein relativ einfacher Mensch. Der hat seinen Tereré, was hier dann getrunken wird. Das ist quasi eine Teesorte, wo man heißes Wasser oder kaltes Wasser bei der Tereré, je nach Jahreszeit so zu sagen eingegossen wird, trinkt er dann. Dann hat er sein Rindfleisch. Dann hat er seine Familie und dann noch einen Fernseher. Dann ist er an sich glücklich.

PK: Ja das ist so. Ich würde sagen, der Paraguayer ist so von Natur aus, man kann natürlich nicht immer alle über einen Kamm scheren, aber tendenziell nicht sehr ambitiös. Das heißt, er will, so wie du sagst, die Grundbedürfnisse will er gedeckt haben. Es sind auch die Prioritäten komplett anders.

Z. B. habe ich Angestellte gehabt bei mir, der hat gewohnt in einer Hütte. Wenn ich da reingeschaut habe, dann habe ich direkt hinten aufs Klosett geschaut und gedacht “um Gottes willen, ich will da nie hingehen”. So und dann kommt er zu mir und sagt, “du ich habe jetzt mein Kind, das wird jetzt 15. Kannst du mir nicht, ich muss da ein ordentliches Fest machen, kannst du mir da nicht umgerechnet 500 Euro borgen, oder sagen wir ein bisschen mehr, 800 Euro?” Er hat aber kein Klosett. Da gibt er 500 bis 1000 Euro aus für so ein Fest. Aber, das Budget für ein ordentliches Klosett zu haben, das hat er wahrscheinlich sein ganzes Leben nicht. Denn die haben andere Prioritäten. Die ticken anders und wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind, dann sind sie zufrieden. Wenn er sieht was andere haben, will er natürlich auch gerne mehr haben. Aber es sind die wenigsten bereit, sich dafür auch richtig anzustrengen. Dafür wirklich was zu tun. Die sitzen dann wie gesagt so wie wir jetzt sitzen, sitzen sie gern. Du siehst ja, wenn du durch das Land fährst, sitzen die vorm Haus, trinken ihren Tereré, schauen sich alles an.

TW: Genau dann kommt jemand vorbei. Dann wird ein bisschen gesprochen.

PK: Winken dann zu. Dann kommst du rein. Das ist Lebensqualität für die pur. Das ist auch schön, ich liebe das.

TW: Sie sind sehr angenehm. So eine natürliche Natürlichkeit. Sie lächeln einfach gerne und viel.

PK: Und wenig Aggressivität.

TW: Ein ganz ruhiger Zeitgenosse.

PK: Ein ganz ruhiger Zeitgenosse. Ich mein, ich war in Peru, weil du so herumfährst, du kennst ja auch Südamerika, es sind andere Stimmungen. Peru ist Bolivianer, oben Per La Paz. Das ist ein anderer Indianerschlag, andere Mentalität und hier Paraguay ist ja vor allem von Guaraní Indianern besiedelt gewesen, die sich dann mit den Spanien gekreuzt haben und das ist eine sehr ruhige Mischung würde ich sagen. Ruhig, war immer ruhig. Es ist auch interessant, es gibt auch Berichte, habe ich irgendwann mal in der Zeitung gelesen, Berichte von den Jesuiten, die über 150 Jahre hier in Paraguay missioniert haben. Was die damals nach Spanien geschrieben haben über die Paraguayer: friedliebend, wenn sie die Grundbedürfnisse gestillt haben sind sie völlig ambitionslos, künstlerisch begabt, unglaublich Talente in Musik und bildhauerischer Gestaltung. Habe ich auch nicht gewusst. Sämtliche Kathedralen und Kirchen in Buenos Aires sind von paraguayischen Indianern gestaltet worden. Das heißt, die ganzen Schnitzarbeiten usw. Wenn ich das vergleiche mit jetzt würde ich heute auch noch sagen, der Menschenschlag ist nach wie vor der gleiche.

TW: Nette Menschen. Ja gut. Aber wenn man jetzt hier als Junggeselle herkommt oder als Singlefrau, dann glaube ich, gibt es ja auch Optionen. Kann man so sagen, oder?

PK: Ja ich bin jetzt 30 Jahre hier bin noch immer nicht verheiratet. War jetzt ein Witz! Ja klar wenn man herkommt, es gibt viele, die hier Familien gründen. Oder umgekehrt auch Paraguayer, die rübergehen. Gibt's ja auch etliche in Europa. Natürlich das ist je nach Belieben, nach Geschmack und so weiter. Es ist ein sehr attraktiver Menschenschlag hier, wenn man als Mann jetzt die Frauen betrachtet. Absolut! Ja, ich habe eine paraguayische Freundin.

TW: Ich glaube, man kann auch sagen, dass man generell als Deutscher oder Österreicher, Schweizer natürlich, dass man hier gut angesehen ist. Also Paraguay, das ist auch das Interessante, ist ein ausländerfreundliches Volk. Also auch von der Politik ist es relativ einfach, dass man hier beispielsweise eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt, also mit deutschsprachiger Begleitung beispielsweise, kann man so rechnen, Pi mal Daumen 1500 Euro. Man braucht relativ wenige Dokumente und dann kann man hier auch eine Daueraufenthaltsgenehmigung machen.

Wenn man jetzt vergleicht mit anderen interessanten Ländern, ist das wirklich fast schon geschenkt und sehr, sehr einfach. Da ist es häufig ein bisschen komplizierter. Also da kenne ich auch schon aus meinen Recherchen. Man merkt einfach man fühlt sich hier auch willkommen.

Das habe ich schon öfter gesehen, wir machen ja auch unsere Paraguay-Investorenreisen. Wir schauen uns hier auch Landwirtschaftsprojekt an. Übrigens wir setzen den Link unter den Beitrag. Also gerne dort vorbeischauen, wenn man dieses Land kennenlernen will und auch unsere Kontakte. Da lernt man viel über Land und Leute, damit man möglichst schnell reinkommt. Wir haben auf unseren Investorenreisen immer wieder mal die Situation, dass ein Auto vorbeifuhr und dann lächeln die und geben einem so einen Daumen nach oben. Als ich das das erste Mal gesehen habe da war ich verwirrt. Wir waren auch in einem Restaurant. Da sind wir vorbeigelaufen. Dann sind die Paraguayer aufgestanden und haben geklatscht!? Faszinierend! Also ich habe das zumindest in Deutschland noch nie gesehen, dass da mal in einer Bar oder einem Restaurant die Leute aufgestanden sind, ein paar Deutsche, sich gefreut haben und geklatscht haben, dass Ausländer vorbeigelaufen sind. Das glaube ich, passiert eher weniger. Ich dachte am Anfang, ist das ernst gemeint? Ist das ironisch? Überhaupt nicht! Die meinen das ernst. Die freuen sich anscheinend. Also Ausländer haben hier auch das Land mitaufgebaut, auch zu mehr Wohlstand geführt, sehr positives Bild von Ausländern.

PK: Es ist grundsätzlich so, da gebe ich dir vollkommen Recht. Paraguay ist ja kein Sozialstaat. Das heißt, jeder, der von Europa oder sonst wo herkommt, der bringt sein Geld mit. Du kriegst hier gar nichts! Jeder der herkommt und irgendwas investiert, und wenn es nur ein Häuschen ist oder eine Fabrik oder eine Firma oder irgendein Unternehmen aufbaut, der bringt den Leuten hier Wohlstand. Der baut das auf und das ist, wenn einer kommt von drüben ist praktisch, da gibt es bei den Leuten einen Klick. „A-ha! Wunderbar, super! Der ist hier der mag Paraguay. A-ha, der fühlt sich hier wohl.“ Oder was auch immer „und bringt uns mit voran.“

TW: Da kommen die Schafe schon allmählich. Ein paar kleine Zicklein dort.

PK: Jetzt wird’s auch schon leicht dunkel. Jetzt geht’s wieder in die Ställe dahinten.

TW: Gut. Ich glaube wir haben einiges besprochen. Also Paraguay, ein hochinteressantes Land. Ich kann es sehr empfehlen. Wenn dich das angesprochen hat, hier mal nach Paraguay mitzukommen, bist du herzlich willkommen zu unseren Investorenreisen. Klick unterhalb von diesem Video. Kannst du dir gerne anschauen.

Peter ja, wir verlinkten auch noch auf dein Aparthotel Lipa.

PK: Danke schön!

TW: Das machen wir gerne. Das noch mit dazu. Da kann man auch gut unterkommen in Asunción, wenn man das möchte.

Herzlichen Dank für das interessante Interview. Und dass man versucht da möglichst einen offenen, authentischen Eindruck zu geben. Ich persönlich muss sagen, jedes Mal, wenn ich herkomme, fühle ich mich wohler hier. Mir gefällt es sehr, sehr gut. Also es ist ein hochinteressantes Freiheitsland. Also ich bin sehr froh selbst auch damals auf die Idee gekommen zu seien nach Paraguay zu kommen. Auf unseren Investorenreisen erhalten wir auch immer sehr, sehr tolles Feedback. Das kann nicht definitiv weitergeben.

Ja und vielleicht sehen wir uns dort auch mal. Ansonsten YouTube-Kanal Abonnieren. Teilen, liken, kommentieren. Das Glockenzeichen beim YouTube-Kanalabonnieren nicht vergessen. Bis nächsten Freitag. Ansonsten ganzliebe Grüße,

Thorsten Wittmann und heute Peter Kassl.

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