Dr. Markus Krall – Der Euro tot oder leben Totgesagte länger?

  • 16. Oktober 2020

Wir haben heute wieder einen altbekannten Gast in unserer Community, Dr. Markus Krall, zur Frage, wie es um den Euro wirklich steht.

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Thorsten Wittmann: Ist der Euro möglicherweise vor dem Aus? Werden wir einen langen schmerzhaften Prozess der Inflation sehen? Ist soweit alles in Ordnung?

Dr. Markus Krall ist bekannt für Klartext, was Banken und auch Währungen wie den Euro betrifft, mehrfacher Bestsellerautor, der CEO von Degussa, viele Jahre Unternehmensberater, das heißt, für Banken gearbeitet, kennt diesen Sektor daher aus dem FF.

Lieber Dr. Krall, schön, dass Sie wieder zu Gast sind und viele Grüße nach Frankfurt.

Dr. Markus Krall: Grüße aus Frankfurt und wie immer eine Freude. Dankeschön.

TW: Ja, der liebe Euro! Wir schauen uns unsere Währung an, wie es wirklich um diese aussieht. Vor ein paar Monaten haben wir ja bereits dazu gesprochen. Wie gesund sieht es um den Euro wirklich aus? Die Situation hat sich im Vergleich zum Frühjahr ja wieder „normalisierter“, scheinbar zumindest oberflächlich. Ich bin gespannt auf Ihre Einschätzungen. Ist jetzt soweit wieder alles in Ordnung? Die Politik ist ja wieder optimistischer. Die Insolvenzwelle ist bis dato ausgeblieben. Ist die aufgeschoben oder wirklich aufgehoben? Wie sieht es aus in diesem Bereich?

Markus Krall Europrognose

Dr. MK: Ja, also normalisiert, glaube ich, hat sich bei uns gar nichts. Die Gesundheitsindustrie ist allerdings fast die Einzige, die boomt. Natürlich möchten Politik und Geldpolitik uns den Eindruck vermitteln, dass irgendwie alles wieder gut sei. Aber es ist schon deswegen alles nicht mehr gut, weil wir heute eine um deutlich, ich sag mal größenordnungsmäßig 20 - 30 % verminderte Weltindustrieproduktion haben.

Die globalen Lieferketten sind entkoppelt und desynchronisiert. Viele Unternehmen in den Lieferketten sind pleite. Von einer Normalisierung sind wir sind wir weiter weg als vom Mond, auch wenn uns die Politik das noch so oft einreden möchte. Unser Problem ist allerdings vielfältigerer Natur. Es hat auch etwas mit Kommunikation zu tun. Im Moment wird den Menschen im Grunde genommen erzählt, dass alles gut sei und dass die Geldpolitik funktioniere. Aber die Ungleichgewichte, die die Geldpolitik aufspart, werden immer größer.

Wenn Sie sich die Entwicklung unserer Zentralbankgeldmenge ansehen, seit Gründung der EZB vor 21 Jahren im Jahr 1999 hatte die EZB eine Bilanzsumme von 698 Milliarden Euro. Diese 698 Milliarden Euro waren das gesamte Zentralbankgeld. Das ist erst 20 Jahre her. Diese, die europäische Wirtschaft war damals nicht so dramatisch kleiner als heute. Wahrscheinlich ist sie damals sogar ungefähr gleich groß wie heute gewesen, weil diese Krise das gesamte Wachstum, das wir in den letzten 20 Jahren hatten, aufgefressen hat. Wir sind heute mit Sicherheit nicht höher in den Wirtschaftsaktivitäten als vor 20 Jahren.

Jeder, der eine Werkshalle der Automobilindustrie betritt oder des Maschinenbaus oder des Flugzeugbaus oder der Hightech-Industrie, weiß, was Sache ist und dass wir eine deutlich geschrumpfte Wirtschaft haben. So, jetzt haben wir aber seit 1999 eine Ausdehnung der Zentralbankgeldmenge von diesen 698 Milliarden auf jetzt fast 7.000 Milliarden gesehen. Allein in den letzten 6 Monaten kamen über 2.000 ich glaube sogar 2.500 Milliarden Euro neues Geld dazu und es gibt kein Anzeichen für eine Verlangsamung dieser Gelddruckorgie. Das heißt, die Menge an Drogen, die gebraucht wird damit die Folgen des Entzugs dieser Drogen nicht sichtbar werden, wird immer größer. Wenn Sie sich den zeitlichen Verlauf der Kurve des Zentralbankgeldes ansehen, dann stellen sie fest der verläuft exponentiell.

Jede Krise braucht ungefähr 5-mal so viel Geld und Geldmengenausdehnung wie die vorhergehende Krise, und zwar deswegen, weil jede Gelddruckorgie die Grundlage für neue Ungleichgewichte schafft, die noch größer sind als die Vorherbestehenden.

Wenn die zur Entladung kommen, dann braucht es ein noch größeres Pflaster, um das Ganze zu verbergen. Das ist wie, wenn man her geht und sagt, ich habe einen kleinen Eiterpickel und da mach ich jetzt ein Pflaster drauf.

Aber das ist ein dreckiges Pflaster und unter diesem dreckigen Pflaster eitert es weiter. Dann entwickelt sich dieser Pickel zu einem großen Pickel und dann brauche ich ein größeres Pflaster, das genauso dreckig ist. Unter dem entwickelt er sich zum Abszess und dann mache ich ein ganz großes Pflaster drauf.

Der Abszess, der transformiert sich dann in die Gewebefäulnis und irgendwann mal stellen wir fest, dass wir kein Pflaster mehr haben, was groß genug ist, welches wir noch ums Bein wickeln könnten. Ja? Das heißt also, wir richten den Schaden an und jedes Mal, wenn wir mehr Geld gedruckt haben sorgen wir dafür, dass die eiternde Wunde unserer Volkswirtschaft nur größer wird. Und zwar deswegen, weil die Gelddruckerei ein dreckiges Pflaster ist und kein richtig sauberes Pflaster. Denn die Gelddruckerei hat in diesem Land und auf diesem Kontinent das Denken ersetzt in der Wirtschaftspolitik. Insofern bin ich, was den Euro angeht, äußerst pessimistisch.

Wenn Sie die exponentielle Kurve dieser Geldmengenausdehnung fortschreiben, dann landen sie im Jahr 2022 in Größenordnungen, die sind einfach astronomisch. Da müssten Sie also 10, 20, 30 Millionen Euro drucken, nur damit Sie dieser Kurve folgen. Und eins können wir sicher sagen, selbst wenn es der EZB gelingen sollte, was ich äußerst, aus guten Gründen bezweifele, dieses Pflaster jetzt nochmal drüber zu kleben mit ihren vielen Billionen, dann wird sie die nächste Krise nicht mehr bewältigen, weil sie dann ein paar Nullen dranhängen muss an unsere Geldmenge. Dazu muss man natürlich auch eins sehen, bisher war jede Geldmengenausdehnung entweder damit verbunden, Inflation zu erzeugen oder Blasen aufzupusten.

Wenn Blasen aufgepustet werden, dann ist das 1929er Szenario die zwingende Folge und damit auch eine große deflatorische Wirtschaftskrise, bei der die Geldmenge zerstört wird durch Pleiten und durch Bankpleiten. Wenn es in Inflation führt, dann wird die Geldmenge quasi entwertet durch Inflation und es kommt auf andere Weise zur Anpassung. Aber eine Anpassung, Deflation oder Inflation, um der Geldmengenexpansion Herr zu werden, die gibt es immer!

TW: Ja, welches Szenario ist Ihnen lieber?

Dr. MK: Also welches mir lieber ist? Die Wahl zwischen Skylla und Charybdis ist von welchem Untier möchten Sie lieber gefressen werden? Das ist eigentlich die Frage, die man da stellt. Ja wobei natürlich fairerweise auf beide Szenarien, entweder Deflation oder Inflation, würde man mit unterschiedlicher Asset Allocation reagieren.

Ich glaube, dass wir im Moment in einer deflatorischen Phase sind und dass diese deflatorische Phase in eine inflationäre Phase umkippt, weil eben die Zentralbank mit allem dagegen hält was sie hat. Das bedeutet, wir werden nacheinander von beiden Untieren gefressen. Erst von der Deflation, die unsere Unternehmen in die Pleite treibt, unsere Wirtschaft schrumpft und zum Kollaps der Produktion führt und anschließend von der Inflation, die unser Geld entwertet und dafür sorgt, dass wir kein Tauschmittel haben, um die Wirtschaft wiederaufzubauen. Also der perfekte Sturm, den unsere Politik und Geldpolitik hier gerade anrührt.

Warum glaube ich nicht, dass die EZB noch eine Runde und einen Schuss mehr hat, mehr frei hat als diesen, den sie gerade schießt? Ich denke, dass die empirische Beobachtung, die wir in der Vergangenheit machen konnten, nämlich dass Hyperinflationen immer dann eingesetzt haben, wenn die Menge der schlechten Assets auf der Zentralbank das Bruttosozialprodukt eines Landes überstiegen hat. Wohlgemerkt der schlechten Assets, nicht die Bilanzsumme, sondern die schlechten Assets auf der Zentralbankbilanz.

Wenn die das Bruttosozialprodukt eines Landes überschreitet, dann verlieren die Menschen das Vertrauen in das Geld und flüchteten aus dem Geld und diese Flucht aus dem Geld führt dazu, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dramatisch ansteigt. Dann flüchten sie erst in Immobilien, Aktien und Gold. Dann in langlebige Wirtschaftsgüter, wie Automobile oder Haushaltselektronik. Dann in mittelfristig langlebige Güter des Haushaltsbedarfs und ganz am Schluss, ganz am Schluss flüchten sie sogar in den Salatkopf, der seinen Wert nicht so schnell verliert, wie der 500-Millionen-Euro-Schein mit dem sie ihn bezahlt haben werden. Wenn diese Dynamik erstmal in Gang kommt, dann ist es relativ schnell vorbei.

Wenn wir uns die aktuelle Entwicklung anschauen, dann können wir sagen, dass die EZB-Bilanz heute schon zum allergrößten Teil aus wertlosen Assets besteht, nämlich aus Staatsanleihen der Euro-Länder. Diese Euro-Länder haben alle heute schon Verschuldungsgrade und Wirtschaftsdaten, die schlechter sind als die von Griechenland 2008/2009, als dort die Krise losging, die bis heute nicht gelöst ist, trotz all dieser Geldspritzen oder vielleicht gerade wegen all dieser Geldspritzen, die man dem Land verpasst hat. Man hat es in der Überschuldung gelassen. Man hat ihm nicht die Möglichkeit gegeben sich makroökonomisch zu readjustieren.

Genauso werden wir es auch haben, nur, dass keiner da ist, der der uns rettet. Wir haben die Situation, dass, wenn Europa Pleite geht, weder China noch Amerika bereitstehen, denn die werden mit in den Abgrund fallen, weil sie die gleiche Politik betreiben. Wenngleich sie ein bisschen später als wir in diesen Abgrund fallen werden, weil die Chinesen ihr Geld weniger schnell drucken und die Amerikaner ein höheres Seigniorage-Kapital haben. Das heißt, sie können mehr drucken durch die Weltleitwährungsfunktion, bevor es da richtig knallt. Insofern wird es aus dem Euro noch erstmal eine Flucht in den Dollar geben, die dann den Weg alles irdischen geht. Wenn man sich die aktuelle Entwicklung der Geldmengenausdehnung anschaut, die aktuelle Entwicklung der schlechten Assets auf der EZB-Bilanz und gleichzeitig die schrumpfende Bruttosozialproduktgröße Europas, dann kann man sehen, dass diese beiden Kurven sich absehbar schneiden werden und das ist deswegen kein Dritten, Vierten und Fünften Schuss mehr für die EZB gibt. Sie hat jetzt noch diesen einen Schuss und alles vorbei.

TW: Sie hatten gerade das Jahr 2022 genannt. Von dem her, sehen Sie das als mögliches letztes Jahr für den Euro? Kann es bereits mit den letzten Atemzügen in 2021 sein oder kann es sich sehr lang möglicherweise auch ziehen? Also dass wir eine höhere Inflation haben, dass sich der Euro aber noch halten wird und wir einen schmerzhaften Prozess über viele Jahre hinweg sehen?

Dr. MK: Also wenn Sie meine ursprünglichen Prognosen anschauen, die ich das erste Mal 2014/15 publiziert habe, dann bin ich damals davon ausgegangen, dass es im Jahr 2020 erst zu einer deflatorischen Krise kommt, in dem die Zombies so zu sagen unter Druck geraten und pleitegehen und dass die pleitegehenden Zombies die Banken unter Druck setzen und sich dann eine Spirale ergibt, die deflatorisch wirkt und die über zwei Jahre braucht bis sie dann zum Exitus des Euro führt. Nämlich erst durch den Aufbau einer Bankenkrise in einer Wirtschaftskrise und dann durch die Bankenrettung in die Gelddruckorgie durch die EZB. Das war die Prognose, die ich 2014/15 abgegeben habe.

Jetzt kam 2020 im Grunde genommen als zusätzlicher „Schwarzer Schwan“ oder Auslöser die politische Corona-Krise dazu. Ich sage deswegen politische Corona-Krise, weil ich glaube, dass dieses Virus niemals den Schaden angerichtet hätte, wenn er nicht von der Politik amplifiziert worden wäre, die ist in ihrer Inkompetenz schon sagenhaft. Diese hat für zwei Dinge gesorgt. Sie hat einmal dafür gesorgt, dass die ganze Krise fast ein Jahr früher eingetreten ist als ich prognostiziert habe. Ein dreiviertel Jahr eigentlich.

Ich hatte ja immer gesagt Ende 2020 vermute ich, ist der wahrscheinlichste Zeitpunkt, obwohl ich es natürlich nie genau wusste. Die ganze Kiste ging also dann nicht Ende, sondern schon Anfangen 2020 los und sie hatte zusätzlich einen Turbolader bekommen. Nämlich die Corona-Politik, den Lockdown, die Schließung von Grenzen, die protektionistisch wirkt, die Desynchronisation, Entkoppelung und Zerstörung der globalen Lieferketten, die die Just-in-time-Produktion für weite Zweige der Wirtschaft unmöglich gemacht haben. Die sind gar nicht mehr in der Lage zu produzieren, weil, wenn denen irgendein 50 Cent Teil fehlt an einem Auto, und das ein entscheidendes Teil ist, dann kann der Wagen nicht ausgeliefert werden.

Das gleiche gilt für Maschinen, für Flugzeuge, für Hightech Geräte. Man hat also dem ganzen einen Turbolader verpasst. Insofern befürchte ich, dass die zwei Jahre, zweieinhalb Jahre Krisendauer, die ich seinerzeit prognostiziert habe, nicht überschritten werden, sondern dass es eher kürzer dauert.

Meine aktuelle Prognose ist, dass eigentlich im nächsten Jahr das Seigniorage-Kapital der EZB aufgebraucht sein wird, weil die schlechten Assets aus ihrem Buch eben das Bruttosozialprodukt übersteigen werden und dann ist nur noch die Frage, wie lange hält der Bilanzbetrug bei Unternehmen, Banken und der EZB. Denn die betreibt auch einen Bilanzbetrug. Sogar den größten aller Zeiten. Nämlich sie hat wertlose Assets im Buch und behauptet, sie seien wert.

Wie lange dieser Bilanzbetrug quasi bei den Märkten nicht ankommt und keiner in den Märkten mit entsprechender Marktmacht sich hinstellt und sagt der Kaiser ist nackt! In dem Moment, wo das aber passiert, wird es dann sehr schnell gehen.

TW: Gut. Was sehen Sie anders als beispielsweise die Türkei und Argentinien. Da sehen wir Ausweitung der Geldmengen sehr intensiv als auch von den Notenbanken. Also das heißt, die Bilanzen gehen ebenfalls sehr stark nach oben, weiter als wir das bei der EZB gesehen haben. Da sehen wir auch eine sehr hohe Inflation. Das heißt auch mit dem Geld gibt's da große Probleme, aber die Währung hält noch. Wo sehen Sie da die Unterschiede? Auch vielleicht zum Fall Japan, wo wir auch Ähnliches sehen, aber die Währung hält trotzdem noch irgendwo, wenn auch nicht auf optimalem Niveau. Aber es geht irgendwie weiter.

Dr. MK: Also man muss sehen, dass Türkei und Argentinien auf der einen Seite und Japan auf der anderen Seite zwei höchst unterschiedliche Modelle sind. In der Türkei und in Argentinien ist es so, dass die Menschen schon immer ein großes Misstrauen gegenüber ihrer Währung haben, weil sie in den letzten Jahrzehnten schon ein paar Mal an die Wand geklatscht wurde.

Die Zentralbanker in diesen Ländern sind schon fast Gewohnheitsverbrecher. Insofern sind die Menschen dort sehr misstrauisch und flüchten früher aus dem Geld bei kleineren Anzeichen der Entgleisung der Geldpolitik. Das wiederum bedeutet, dass dort die Inflation früher einsetzt. Das heißt also, die Abrisskante ist deswegen etwas flacher.

Die Inflation in der Türkei geht hoch, sie erreicht dann relativ schnell erst 5, 8, 10, 12, 15 %. Manchmal 20 %. Dann kommt die Gegensteuerung. So war es da immer. Das heißt also, das System atmet viel stärker als unseres in der Türkei. Der Schmerz kommt früher, er kommt dafür aber nicht so dramatisch und wenn der Vertrauensentzug vom Volk an die Zentralbank kommuniziert wurde, dann muss die gegensteuern, weil ihr gar nichts anderes übrig bleibt.

Allerdings sehen Sie auch in der Türkei im Moment beispielsweise einen Run ins Gold, den man sich überhaupt nicht vorstellen kann. Also die Menschen nehmen Schulden auf, um Gold zu kaufen. Sie verkaufen Häuser, um Gold zu kaufen und es außer Landes zu schaffen. Sie haben null Vertrauen in ihre Politik oder in ihre Wirtschaftspolitik, die ja von außen betrachtet, das muss man ja sagen, leider auch mit einem gerüttelten Maß an Korruption gesegnet ist. Ja und da was Korruption angeht, da ist ja meine Auffassung, dass der Fisch immer vom Kopf her stinkt.

Die Menschen in Argentinien sind ähnlich. Die sind es gewohnt, dass ihre Zentralbank Unsinn macht und dementsprechend vorsichtig und schnell reagieren sie.

In Europa sind die Menschen eigentlich seit 1948 nicht mehr gewohnt, dass die Zentralbank so richtig Unsinn macht. Also der Vertrauensvorschuss ist größer. Der Missbrauch dieses Vertrauens kann länger dauern und das Ergebnis ist, dass die Ungleichgewichte, die sich aufstauen auch größer werden. Die Abrisskante und der Absturz und die Fallhöhe dann allerdings umso höher.

Wenn wir das Beispiel Japan nehmen, da verhält es sich ein klein wenig anders. In Japan ist es so, dass wir seit 30 Jahren ja diese Politik sehen, seit 1990 die Aktien- und Immobilienblase dort eingestürzt ist und sie seitdem mit frisch gedrucktem Geld künstlich auf mittlerem Niveau am Laufen gehalten wird.

Diese Situation ist allerdings so, dass Japan immer noch eine enormer Steuerkraft zur Verfügung hat, so dass man sagen kann, die Staatsschulden, die jetzt auf der Zentralbankseite liegen sind nicht komplett wertlos. Sie sind teilweise wertlos. Sie müssen auch zum Teil abgeschrieben werden. Aber sie sind nicht komplett wertlos, sodass die schlechten Assets der Zentralbankbilanz noch nicht die Höhe des Bruttosozialprodukts erreicht haben, obwohl die Zentralbankbilanz mittlerweile weit über der Höhe des Bruttosozialprodukts liegt, im Gegensatz zu Europa. Da reiben sich dann die Leute die Augen.

Aber die Antwort ist relativ einfach. Nicht die Höhe der Zentralbankbilanz ist entscheidend, sondern die Qualität der Assets. Würde eine Zentralbank Gold im Wert von drei Mal so viel kaufen, wie das Bruttosozialprodukt ihres Landes, würde das mit ihrer Währung gar nichts machen, weil das Asset, was in ihrer Bilanz werthaltig ist und damit goldgedeckt, kann keine Inflation einsetzten. Das ist der wesentliche Unterschied, vor dem wir dastehen. Allerdings hat auch die japanische Politik hohe volkswirtschaftliche Kosten.

In Japan wird die Wirtschaft schon seit 30 Jahren zombiefiziert. Das heißt, das Ungleichgewicht sucht sich ein anderes Ventil. In Japan haben wir heute 30, 35 vielleicht sogar mehr % aller Unternehmen, die Zombies sind. Dadurch schrumpft mittlerweile die Produktivität des Landes und mit schrumpfender Produktivität gehen auch die Einkommen der Angestellten, Arbeiter und Beamten zurück, so dass das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen heute eine 20 % niedrigere Kaufkraft hat als im Jahr 2000.

Das heißt, seitdem ist jedes Jahr die Kaufkraft um 1 % geschrumpft im Schnitt. Diese Schrumpfung der Kaufkraft in Kombination mit einer künstlich oben gehaltenen Immobilienblase führt dazu, dass junge Familien keine Kinder mehr kriegen können, weil sie sich keine Wohnung mehr leisten können. Beide Ehepartner müssen arbeiten, können sich keine Kinder mehr leisten und so führt die Geldpolitik in die demographische Katastrophe der Vergreisung dieses Landes hinein. Alternde, vergreisende Gesellschaften sind nicht innovativ, was dann den Zombiefizierungsprozess der Unternehmen auf die ganze Gesellschaft überträgt.

TW: Gut. Ja, jetzt die aktuelle Situation sind wir durchgegangen. Was jetzt tun als Privatanleger, wenn man zehntausend, hunderttausend vielleicht auch eine Million irgendwo auf dem Konto hat oder in verschiedenen Anlageklassen? Was sind ihre Favoriten? Vielleicht gehen wir die noch mal gemeinsam durch.

Dr. MK: Also zunächst mal schicke ich voraus, Diversifikation ist keine Frage der Portfoliogröße. Diversifikation ist immer richtig und immer, egal wie groß oder klein das Portfolio, durchführbar! Ich höre so oft, wenn ich den Leuten sage, geht mit 20 % ins Gold und dann so und so viel Aktien, dann sagen die: „Ich habe ja bloß 10 oder 20 oder 50.000 Euro anzulegen. Wie soll ich das machen?“ Die Antwort ist, man kann es immer stückeln. Also Diversifikation ist immer richtig! Egal, wie groß oder klein das Portfolio ist.

Meine aktuelle Empfehlung ist relativ einfach! Ich empfehle 20 % in Gold zu halten. Und zwar deswegen, weil die Lage so ist, dass wir zwar alle möglichen Überlegungen und auch Theorien darüber anstellen könnten, wie das weiter geht. An der Stelle erinnere ich jetzt mal in aller Bescheidenheit daran, auch das, was ich sage ist nur eine Theorie. Sie ist zwar begründet und ich versuche sie so gut wie möglich zu begründen. Aber es ist eine Theorie so lange bis die Realität, die empirischen Risiken bestätigt oder widerlegt hat.

Egal, wie lange wir an diesen Themen herum analysieren, jede Theorie kann Abweichungen haben, die kann teilweise richtig sein, kann teilweise falsch sein. Wir brauchen also eine Versicherung für das Unbekannte und auch für die Möglichkeit, dass wir uns irren. Da ist eben Gold besonders geeignet. Gold ist eine Versicherung gegen das unbekannte Unbekannte. Und zwar deswegen, weil es eben seit 5.000 Jahren als Geld funktioniert hat und auch die nächsten 5.000 Jahre als Geld funktionieren wird, falls die Menschheit dann noch da ist.

Das Zweite was ich empfehle, sind antizyklische Aktien, und zwar aus 6 Branchen.

1. Lebensmittel, weil die Menschen immer etwas essen müssen.

2. Pharmazeutika, weil die Menschen noch immer zum Arzt gehen müssen. Das hat nichts mit Corona zu tun, dass ich die Empfehlungen mache, obwohl Corona natürlich die Pharmaaktien begünstigt hat. Im Grunde erweist sich das als riesiges Lobby-Programm, wenn man es betrachtet. Also die Leute müssen auch immer das Thema Gesundheit beachten. Das heißt, Pharmaaktien und alles was mit Gesundheit zu tun hat, ist antizyklisch.

3. Die Rüstungsindustrie ist antizyklisch, und zwar weil schlechte und schwere wirtschaftliche Zeiten oft dazu führen, dass internationale Konflikte eskalieren und die Staaten, um auch, ich sag mal, nicht in Schwierigkeiten zu kommen, ihre Verteidigungsausgaben erhöhen, damit sie nicht angegriffen werden. Das Thema Abschreckung und Sicherheitspolitik gewinnt an Bedeutung in der Krise.

4. Goldminen. Denn Goldminen sind im Prinzip eine Option auf Gold. Also wenn eine Goldmine Produktionskosten von, sagen wir mal, 800 Euro hat pro Unze und wir haben jetzt einen Preis von 1600 Euro pro Unze und er steigt jetzt auf 2000 oder 2500 pro Unze, dann ist der Hebel auf die Goldmine viel größer als auf das Gold selbst. Ich empfehle allerdings nicht Silberminen, da die meisten Silberproduktproduzenten Kuppelprodukte sind mit anderen Industriemetallen. Kupfer, Zink und so weiter.

Die Nachfrage nach diesen Nicht-Eisenmetallen, die geht zurück im Zuge einer stark zurückgehenden industriellen Produktion auf dem Planeten. Das heißt, wir werden in den Rohstoffen einen relativ hohen Druck auf die Preise sehen. Den sehen wir ja schon, aber der wird sich noch verstärken. Silber ist ein Kuppelprodukt. Wenn ich also jetzt einen Produzenten von Silber kaufe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Nettoeffekt aus dem Anstieg des Silberpreises tatsächlich den Verlusteffekt aus dem Abfall der Kupfer-, Nickel- und anderer Metallpreise kompensiert, ist relativ gering.

5. Ich empfehle Entertainment. Ich sage immer die 30er Jahre waren die Hochzeit Hollywoods. Warum? Weil die Menschen, wenn es ihnen schlecht geht, Ablenkung suchen. Das wird auch diesmal so sein.

6. Ich empfehle Big Tech, und zwar die Apples, Googles und Amazons dieser Welt. Denn erstens, haben sie eine gewaltige Liquidität, die sie vor sich herschieben. Sie haben also ein Polster. Zweitens haben sie ein riesiges Technologieportfolio. Also sie haben nicht einzelne Technologien, sondern sie haben ein gigantisches Technologieportfolio und das ein oder andere davon wird sie in die Zukunft tragen. Das heißt, Big Tech an sich, ist schon ein teildiversifiziertes Portfolio. Deswegen empfehle ich es trotzdem und obwohl die Preise so hoch sind.

Ich empfehle sehr darauf zu achten bei den Aktien, die man kauft, dass der Leverage gering ist, also möglichst kein oder wenig Fremdkapital. Und zwar deswegen, weil sehr schwer abschätzbar ist, wie lange genau die deflationäre Phase dauert, bis sie umkippt.

Meine Prognose ist zwar, dass sie dies nächstes Jahr tut, aber eine Änderung der Gelddruckgeschwindigkeit der Zentralbank könnte das ja schnell ändern. Oder auch das Thema Digital-Euro kann einen Einfluss darauf haben, ob diese zeitliche Prognose zutrifft oder nicht. Da sollte man gelegentlich auch mal darüber sprechen.

Die Kernfrage bei den Unternehmen ist, wenn sie durch die Krise durchkommt, dann werden sie zwar performen, weil sie antizyklisch sind, aber sie müssen durchkommen. Wenn sie zu wenig Eigenkapital und zu viel Fremdkapital haben, dann ist dieses Durchkommen in Frage gestellt. Sie werden zu Zombies und sie kommen möglicherweise nicht am rettenden Ufer an. Insofern empfehle ich sehr stark, auf die Bilanzqualität zu achten, stärker als in normalen Zeiten, wo auch mal hochgeleveragete Werte, Wachstumswerte durchaus mal attraktiv sein können.

Last but not least empfehle ich Bildung als Investment, und zwar weil es das Einzige ist, was man Ihnen weder stehlen noch besteuern kann.

TW: Ja, das, was man selbst mit sich rumträgt, egal was da draußen kommt, es bietet vielleicht mit auch die größte Sicherheit, dass man sich auch etwas neu aufbauen kann. Vielleicht noch ein, zwei Sätze zum Thema Silber. Das hatten wir gar nicht, außer kurz bei dem Thema Silberminen. Wie sehen Sie Silber?

Dr. MK: Silber selbst sehe ich positiver als die Silberproduktion. Ganz klar! Aus zwei Gründen. Erstens weil Silber ebenso wie Gold traditionell der Schutz gegen das Unbekannte ist und auch als Währung auch viele tausend Jahre dem Menschen gut gedient hat. Silber hat einen geringeren Wert als Gold und ist damit für kleinere Einkäufe gut geeignet und insofern, sage ich mal, ist es sinnvoll auch das Gold durch Silber zu ergänzen.

Ich empfehle allerdings keine großen schweren Barren, sondern eher Münzen, auch wenn das Aufgeld bei Münzen sehr hoch ist. Es ist leider so, dass die Produktion sehr gelitten hat durch die Corona-Krise und die Nachfrage hoch, das Angebot aber schwach ist, sodass die Margen gegenüber dem Silberpreis leider sehr hoch sind. Dazu kommt natürlich noch die Mehrwertsteuer, was auch noch ein Problem ist. Trotzdem empfehle ich in einem gewissen Umfang es auch zu halten. Allerdings nicht in gewaltiger Menge, sondern ich sag mal so in der Größenordnung von 10.000 Euro, vielleicht 15.000 Euro. Und zwar einfach deswegen, weil man etwas braucht damit man auch den täglichen Einkauf erledigen kann, falls der Euro wirklich vor die Hunde geht.

TW: Wunderbar! Bevor ich Ihnen jetzt noch mal das Schlusswort gebe und wir auch noch mal so einen positiven Ausblick uns anschauen, was man noch Positives abgewinnen kann, nochmal der Hinweis, gerne YouTube-Kanal abonnieren. Wir haben laufend spannende Gäste, wie Dr. Markus Krall. Auch Thema Bank- und Geldsicherheit ist ein großes Thema. Da haben wir immer wieder laufend Events, wie unser Online-Geldsicherheitstraining. Dazu auch den Link unterhalb von dem Video dazu anschauen. Da sehen wir uns auch ganz Konkrete Lösungen an und damit möchte ich Ihnen auch das Schlusswort geben.

Gibt es denn auch positive Ansätze? Gibt es mehr und mehr Menschen, die das auch erkennen, die aufwachen? Vielleicht können Sie auch noch ein paar Worte zu ihrer Atlas-Initiative sagen.

Dr. MK: Ja, sehr gerne. Also ja, es gibt positive Ansätze. Die kommen leider nicht aus der Politik. Auch nicht aus der Geldpolitik. Aber was ich beobachte ist, dass immer mehr Menschen sich der Probleme bewusst werden. Wenn Sie fünf oder zehn Jahre zurückdenken und Sie hätten ein Video gemacht über Geldpolitik, so wie wir das jetzt gerade hier gemacht haben, über die Folgen der Geldpolitik diskutieren, dann hätten Sie vielleicht eine Einschaltquote von 20, 50 im besten Fall100 Zuschauer gehabt. Mehr war da nicht drin! Es hat keinen Menschen interessiert.

Wenn wir heute ein Video drehen über Geldpolitik, dann hat es irgendwo zwischen 100.000-150.000 und 1,5 Millionen Zuschauern. Das ist so meine Range an YouTube-Klicks, die ich bei meinen geldpolitischen Videos habe. Also der Rekord ist glaube ich bei Tichys ist mit 1,5 Millionen. Bei Solit war es auch über 1 Millionen. Also das gab es früher nicht.

Das zeigt mir, dass es eine Bewusstseinsbildung immer breiteren Schichten unserer Bevölkerung gibt. Insbesondere bei den Leistungsträgern. Dass die sich Gedanken machen und dass die sich auch vorbereiten. Die stimmen jetzt vielleicht nicht mit den Füßen an der Wahlurne sozusagen ab gegen eine Politik, die sie eh nicht ändern und stürzen können. Aber die bereiten sich selbst vor und wir wissen, dass sie auch die Gelegenheit haben werden, die Politik zu ändern, wenn die erstmal so richtig an die Wand geklatscht ist. Und das wird sie tun.

TW: Ja, von dem her, die Hoffnung stirbt zuletzt. Es gibt auch Dinge, die in eine gute Richtung laufen. Wir haben definitiv mehr Bewusstsein in der Bevölkerung. Hoffen wir, dass noch viel mehr Menschen auch das ganze nutzen, auch aufwachen.

Dr. MK: Wer sich da politisch engagieren möchte und sich auch politisch vorbereiten will, ich glaube ja, dass wir im Zuge dieser Wirtschaftskrise vor einer großen politischen und sozialen Auseinandersetzung stehen, wo sich dieses Land und dieser Kontinent entscheiden müssen zwischen Freiheit und Sozialismus.

Wer sich für die Freiheit entschieden hat und sich für sie einsetzt und stark machen will, für den gibt es ein Vehikel, nämlich die Atlas-Initiative, die jetzt schon über 5000 Mitglieder hat und die überall im Moment Regionalsektionen gründet. Wir haben jetzt am 10. Oktober hier in Frankfurt das erste Treffen unserer Regionalsektionsleiter, unserer künftigen. Wir haben eine Kommission gebildet zu allen wichtigen politischen Fragen, so wie eine Partei auch.

Aber wir sind keine Partei. Wir sind nicht rechts, wir sind nicht links, sondern wir sind einfach nur freiheitlich. Unser Ziel ist den freiheitlichen Gedanken, die Marktwirtschaft zu stärken und zu den Grundwerten zurückzukehren, die unser Land mal stark gemacht haben. Wir wollen keine Partei sein, weil wir glauben, dass die Parteien das Problem darstellen und nicht die Lösung.

TW: Das verlinken wir gerne unterhalb von dem Video. Also auch dort gerne anschauen. Dr. Markus Krall, vielen Dank für Ihre Zeit, für Ihre Einschätzungen. Wir werden eine spannende Zeit haben. So viel ist auf jeden Fall sicher im aktuellen Umfeld und mal schauen, was das genau bringen wird. Ich denke man kann sich mit den Empfehlungen da sehr, sehr gut vorbereiten. Von dem her vielen Dank noch mal an Sie und Ihre Zeit und Danke nochmal an alle Zuschauer.

Dr. MK: Ich danke Ihnen!

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