Dr. Markus Krall – der Finanzcrash kommt 2020?

  • 15. Mai 2020

Wir haben heute einen besonderen Gast: Dr. Markus Krall – Bestsellerautor, Ökonom und Vorstand von Degussa.

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Thorsten Wittmann: Werden wir möglicherweise einen Bankencrash sehen? Kann es zu einem Bankenkollaps kommen? Möglicherweise größere Verluste bis hin zum Totalverlust?

Ja lieber Herr Dr. Krall. Schön, dass Sie heute mal wieder in unserer Community vorbeischauen. Wir haben ein hoch spannendes Thema.

Dr. Markus Krall: Ja das haben wir. Die Banken sind, glaube ich, mit das spannendste Thema nach Corona, was uns ja zurzeit alle beschäftigt. Die beiden Themen Bankensicherheit und Corona sind aber miteinander verflochten. Insofern werden wir sehen, wie sich die Entwicklung darstellt und wie diese beiden Themen auch interagieren und was das bedeutet für die Prognosen, die ich schon vor Jahren abgegeben habe.

[Sieh dir hierzu auch gerne das Interview mit Dr. Krall vom letzten Jahr. Hier der Link zum Video!]

TW: Da freue ich mich schon sehr drauf. Ich glaube, Ihnen dürfte aktuell nicht wirklich langweilig sein. Bei uns ist es ähnlich. Also es ist der Wahnsinn. Die Leute machen sich wirklich Gedanken über das Thema Geld! Dann gleich mal die Frage an Sie. Wie sicher sind die Banken wirklich im aktuellen Umfeld, wenn jetzt auch mehr Privat- und auch Geschäftsinsolvenzen drohen?

Dr. K: Also ich glaube, das beste Symptom hinsichtlich der Frage, wie sicher die Banken sind, ist das Verhalten der Bankaufsicht. Die Bankaufsicht macht nämlich zwei Dinge. Sie beruhigt einerseits und andererseits erklärt sie den Banken, dass sie ihre Kreditverluste, die sie gerade erleiden, nicht mehr verbuchen müssen.

D. h. also, die Banken müssen die vielen Kredite, die jetzt gerade ausfallen, wo Zins und Tilgung nicht mehr geleistet werden, die sie normalerweise abschreiben müssten und wo die Abschreibung wahrscheinlich auch relativ hoch ausfällt, weil sie sich über die Werthaltigkeit der Sicherheiten in der aktuellen Lage auch nicht mehr sicher sein können, diese Abschreibungen müssen sie nicht mehr tätigen.

Jemand, der insolvent ist, der muss auch nicht mehr zum Insolvenzrichter gehen und Insolvenz anmelden. Wenn er nicht mehr zahlungswillig oder zahlungsfähig ist, dann hebt er einfach die Hand und sagt „Corona“. Dann muss er nicht mehr bezahlen, ohne zum Insolvenzrichter gehen zu müssen.

Und wenn er keine Kreditraten mehr bezahlt, dann muss die Bank, wie gesagt, es nicht mehr in ihrer GUV und ihrer Bilanz reflektieren. Und wenn wir uns dieses Verhalten ansehen, dann muss man feststellen, dass das eigentlich die Aussage ist, dass der Bilanzbetrug amtlich gemacht worden ist.

Der Bilanzbetrug ist jetzt amtlich! Wenn die Aufsicht an dem Punkt ankommt, an dem sie sagt, das müssen wir nicht amtlich machen, dann muss eigentlich Feuer auf dem Dach sein. Denn wenn keins auf dem Dach wäre, dann würde die Aufsicht ja wohl kaum dazu kommen den Banken zu sagen „Ihr müsst jetzt die ausgefallenen Kredite nicht mehr abschreiben.“

Also insofern glaube ich, dass das der beste Indikator ist für den wahren Zustand des Bankensystems. Dann gibt es natürlich noch die Zahlen. Und die Zahlen, die sehen bis zum Ende des Jahres 2019 im Prinzip genauso aus, wie ich sie prognostiziert habe. Erst im „Draghi Crash“, dann in den „schwarzen Schwänen“ und zuletzt in der „bürgerlichen Revolution“.

Wir haben auch 2019 eine massive Erosion der Bankerträge gesehen. Da gab es neulich einen sehr schönen Artikel auf Finanzszene.de über eine große Sparkasse deren GUV gerade implodiert ist in den letzten Monaten, insbesondere im Jahr 2019. Diese Implosion der GUV, die hat dazu geführt, dass diese Bank jetzt praktisch keinen Gewinn mehr macht. Also sie hat jetzt eine Cost-Income-Ratio von 100 % oder über 100 %, nachdem sie jahrelang noch Erträge ausgewiesen und erwirtschaftet hat. Oder ja, erwirtschaftet ist die Frage? Aber ausgewiesen hat. Und was wir daran erkennen ist, dass der Ertragsverfall genauso weitergelaufen ist.

Was wir weiterhin sehen, ist, dass bei den Anleihen bereits vor zwei Wochen eine der großen Investmentbanken eine Studie veröffentlicht hat, bzw. nicht veröffentlich, sondern für ihre Top-Kunden geschrieben hat, dass schon 14 % aller Anleihen vor zwei Wochen ausgefallen waren von Unternehmen. Das heißt also 14 % der Unternehmen, die Anleihen begeben, zahlen zurzeit nicht mehr!

Wenn schon 14 % der Unternehmen, die Anleihen begeben, die in der Regel im Schnitt eine höhere Bonität haben, als der durchschnittliche Kreditnehmer, den der hat eben nicht die Bonität um Anleihen begeben zu können und deswegen braucht er ja Kredite. Wenn also schon 14 % der besseren Bonitäten bei den Unternehmen ausgefallen sind, was bedeutet das eigentlich für alle anderen im Schnitt? Müssen wir dann davon ausgehen, dass 20, 25 oder gar 30 % aller Unternehmen ihre Zins- und Tilgung auf Unternehmenskredite nicht mehr bezahlen? Und wir müssen weiterhin davon ausgehen, dass das Ganze auch über kurz oder lang für Privatkredite gilt.

Wir wissen, dass ein zweistelliger Prozentsatz, mindestens 20 %, möglicherweise 40 % der Mieten nicht mehr bezahlt werden. Wenn die Leute ihre Mieten schon nicht mehr zahlen, dann zahlen sie ihre Kreditraten auch nicht mehr. Und diejenigen, die von der Miete leben, davon ihre Kreditraten bezahlen wollen, die können es dann auch nicht mehr. Also dieser Reißverschluss, der bewegt sich im Moment mit Tempo nach unten. Und umso weiter der aufgeht, umso schwieriger wird es, den Bilanzbetrug aufrechtzuerhalten.

Wenn wir davon ausgehen können, dass 30 % der Kredite möglicherweise jetzt schon nicht mehr bedient werden, reden wir über Volumen und nicht über die schönen risikoadjustierten Assets oder Aktiva der Banken, an denen wir sonst das Eigenkapital messen, sondern wir reden vom Volumen, was viel mehr ist als das. Dann bedeutet das, dass wir das 4, 5 oder 6-fache des Eigenkapitals der Banken in Europa schon verbrannt haben. Davon gehe ich aus.

Insofern ist der Bankencrash für mich keine Frage des „ob“ und noch nicht mal mehr eine Frage des „wann“. Die Frage ist nur „Wann wird er sichtbar?“. Denn er ist jetzt schon da!

TW: Das heißt, es kommt eine Kreditpleitewelle auf uns zu, also quasi ein Insolvenztsunami, den man aber öffentlich noch nicht wahrnimmt. Und zum anderen, die Öffentlichkeit wird noch nicht ausführlich darüber informiert bzw. mehr oder weniger gar nicht.

Dr. K: Ja!

TW: Und es sind wenige Leute, wie Sie, die über diese Zustände warnen. Des Weiteren soll die breite Bevölkerung noch nicht darüber informiert werden. Interpretiere ich das richtig?

Dr. K: Die Panik soll natürlich unter allen Umständen vermieden werden. Ich verstehe das auch. Natürlich will man, dass die Leute jetzt nicht auf die Bank rennen und ihr Geld abheben. Im Kollektiv ist das ja auch, wie soll ich sagen, die falsche Handlungsweise. Denn die beschleunigt den Zusammenbruch.

Für den Einzelnen stellt es sich allerdings anders dar. Das ist ein klassisches Gefangenendilemma, was wir hier haben. Der Einzelne, der jetzt nicht auf die Bank rennt, der verhält sich zwar sozusagen für das Kollektiv im Sinne, sodass er den Zusammenbruch hinauszögert, indem er das nicht tut. Aber da er dann als Letzter die rote Laterne in der Hand hält, wenn er das versucht durchzuhalten, weil andere es nämlich nicht tun werden, führt es dazu, dass diejenigen, die halt jetzt auf die Bank gehen und ihr Geld abheben, dass die dann noch gut dastehen werden, während diejenigen, die es nicht tun, die Verluste erleiden werden.

Man muss ja sehen, wir sind jetzt gerade mal 8 Wochen in dieser Krise. Diese Krise des totalen Shutdown, Lock-Down und des Zusammenbruchs der Lieferketten, des Zusammenbruchs der Produktion und der Geldmengenausweitung. In diesen 8 Wochen haben wir in Deutschland über 10 Mio. Kurzarbeiter akkumuliert.

In Amerika ist die Arbeitslosigkeit auf über 20 % hochgeschnellt. Das hatte sie zuletzt in der großen Depression 1934. Die Öl-Preise sind auf 1 Cent kollabiert, im Terminmarkt waren sie zeitweise sogar negativ oder sind es, glaube ich, sogar noch. D. h. also der Termin, der Öl-Termin-Markt ist eigentlich der beste Indikator für die Konjunktur.

Selbst auf dem Höhepunkt der großen Depression von 1931, wo es also wirklich am allerschlimmsten war, war der Öl-Preis noch deutlich höher als jetzt, um Kaufkraft bereinigt sowieso. Und das bedeutet, dass der Öl-Preis, der ein hervorragender Konjunkturindikator ist, uns die Meinung der Märkte widerspiegelt, dass diese Krise tiefer und schlimmer wird als die große Depression von 1929-34. Oder eigentlich 39, denn die hat eigentlich 10 Jahre gedauert.

Und insofern glaube ich, dass natürlich die Banken, wie auch die Bankenaufsicht, wie auch die Politik ein fundamentales Interesse hat, diese Nachrichten so lange wie möglich von uns fern zu halten, von den Bankkunden wegzuhalten. Weil wenn sich alle Leute darüber im Klaren wären, wie hoch die Risiken sind, dann würde es sofort zu einer Entfaltung des Runs auf die Banken kommen.

TW: Ja, wie sehen Sie das? Sind wir jetzt im Endgame? Hat es begonnen? Für mich hört sich das so an, ja! Also ursprünglich war es ja Quartal 4 2020, dass es so um diesen Dreh losgeht. Jetzt ist natürlich einiges passiert. Wie sehen Sie das? Sind wir im Endspiel?

Dr. K: Wir sind im Endgame in dieser Angelegenheit. Völlig ohne Frage! Die Politik wird das tun, oder sie tut ja schon das, was ich prognostiziert habe, um dieses Endgame FÜR SICH zu entscheiden. Sie druckt Geld! Das Problem ist zweierlei. Die Prognose, die ich abgegeben hab, die lag in zwei Punkten daneben. Das ist wichtig für das Verständnis der aktuellen Entwicklung.

Meine ursprüngliche Prognose war, dass ich gesagt hab, Ende 2020. Also 3. oder 4. Quartal. Das war der best guess +/- 2-3 Quartale habe ich immer gesagt. Also es hätte auch 20-21 werden können nach meiner Einschätzung. Weil die Zahlen mehr Genauigkeiten nicht hergegeben haben, würde es dazu kommen, dass es zu einer Kreditkontraktion kommt. Und diese Kreditkontraktion speist sich aus einem Kollaps der Zombieunternehmen. Ich bin damals davon ausgegangen, dass etwa 15 % der Unternehmen Zombies sind, die wir in den letzten Jahren aufgespart haben. Und das sind auch die, die es jetzt zuerst erwischt. Aber die Zahl der Unternehmen, die jetzt pleitegehen, wird höher sein als die Zahl der Zombies.

Leider werden auch unvorstellbar viele gesunde Unternehmen mit in den Abgrund gerissen durch eine falsche Politik des totalen Lock-Down, der auch Unternehmen in den Abgrund schickt, die eigentlich gesund sind und in keinster Weise von der Marktwirtschaft hätten aussortiert werden müssen. Die werden jetzt von einer falschen Politik gekillt und aussortiert, was die Sache noch schlimmer macht. Also das eine ist, ich habe es für später vorausgesehen, weil natürlich auch nicht voraussehbar das der schwarze Schwan eine Politik, die auf einen vermeintlichen oder tatsächlichen Virus-Risiko reagiert, das so beschleunigen würde.

Das Zweite ist, ich habe nur 15 % vorausgesehen als Wahrscheinlichkeit, das ist aber allein schon ein mehrfaches des Eigenkapitals der Banken, sodass wir davon hätten ausgehen müssen, dass wir insgesamt eine Geldmengenausdehnung in der Größenordnung von 6-7 TSD Milliarden Euro sehen würden, um die Banken zu retten. Das war die Prognose, die ich abgegeben habe. Was wir jetzt haben, ist, es kam ein halbes Jahr, fast ein ¾ Jahr früher durch einen externen Schock, weil wie gesagt, jede Bombe hat ja mehrere Zünder. Auch diese.

Das Zweite ist, dass der Schock sehr viel größer ist, denn wir haben nicht 15 %, sondern jetzt schon 30 % der Kredite wahrscheinlich verloren und wir werden noch sehr viel mehr verlieren, weil wir erst 8 Wochen da drinstecken. Also diese Spirale, die fängt gerade erst an. Die ist ja noch nicht am Ende. Wo die aufhört, das wage ich nicht abzuschätzen. Aber sie ist jedenfalls deutlich größer als das, was ich befürchtet hab.

Dementsprechend braucht die Politik auch mehr von der Munition, die sie immer herangezogen hat in den letzten 20 Jahren, um die Probleme zu lösen. Nämlich gedrucktes Geld! Frisch gedrucktes oder durch Knopfdruck hergestelltes Geld! Diese Geldschöpfung, die trifft jetzt allerdings, auch das unterscheidet sich leicht von dem Szenario, das ich eigentlich vorausgesehen habe, auf eine global schnell fallende Produktion.

Wir liegen heute mit der Produktion durch die Unterbrechung der Lieferketten zwischen China, was ja die Werkbank der Welt darstellt, und dem Westen, liegen wir heute in der Produktion industriell weit unter dem, wo wir noch vor einem halben Jahr gelegen haben. Niemand weiß es ganz genau, aber ich schätze, dass es irgendwo zwischen 25 % und 50 % sind.

Lassen Sie es mal 25 % sein. In einer um 25 % gesenkten Produktivität der Weltwirtschaft, also 25 % weniger Güter, dehnen wir die Geldmenge aus, zunächst mal die Zentralbankgeldmenge, später dann auch die Giralgeldmenge, um den Faktor 3 oder 4.

D. h. in Europa und USA haben wir schon 3 Billionen gedruckt in den letzten 8 Wochen. Da kommen sicher noch mal 7-10, vielleicht auch 15 Billionen oben drauf. D. h. wir haben eine Vervielfachung der Geldmenge bei einer Schrumpfung der Produktmenge. Das führt am Anfang, weil die Unternehmen kollabieren und die Liquidität dadurch austrocknet, zu einer deflationären Tendenz. Wenn dann das Geld nachfragewirksam wird, und das wird nachfragewirksam, und zwar deswegen, weil man ja jeden rettet.

Also es muss ja jeder über Wasser gehalten werden. Auch die Sozialprogramme müssen hochgefahren werden, die Kurzarbeiter müssen finanziert werden, die Arbeitslosen müssen finanziert werden. Alles muss finanziert werden! D. h. das Geld wird auch nachfragewirksam. Das bedeutet, dass wir eine massiv gestiegene Geldmenge auf eine massiv abstürzende Produktmenge treffen lassen. Das ist, wie soll ich sagen, das absolut zuverlässigste Rezept, um eine massive Inflation dann auszulösen.

D. h. erst Deflation, dann Inflation! An der Stelle halte ich fest an der Prognose, die ich seit 5 Jahren gegeben habe. Nämlich, dass die Deflation der Inflation vorausgeht. Die Zahl, die ich jetzt aus Amerika höre, ist, dass wir jetzt dort etwa -0,6 % haben, also 0,6 % Deflation mit stark steigender Tendenz. Deswegen, weil der ökonomische Kollaps schneller geht als die Geldmengenausdehnung.

Aber irgendwann wird die Geldmengenausdehnung noch schneller gehen als der ökonomische Kollaps. Und dann wird die Sache kippen! Die Frage ist, was passiert mit den Banken? Die Banken werden dann mit frischgedrucktem Geld gerettet, aber da die Politik nicht berechenbar ist, ist nicht klar, ob es ein Bail-In oder ein Bail-Out geben wird.

Wenn die Politik das Modell Zypern fährt, dann bedeutet das, dass wir ein Bail-In erleben. D. h. die Sparer der Banken werden dann teilweise zur Kasse gebeten. Man wird ihnen einen Teil ihrer, oder vielleicht das ganze Sparguthaben abnehmen und wird ihnen dafür wertlose Bankaktien geben. D. h., man macht eine Kapitalerhöhung der Banken und einen Zwangsumtausch der Spareinlagen in Bankaktien. Die werden sich nie mehr erholen.

Wenn es ein reiner Bail-Out wird, dann muss mehr Geld gedruckt werden, um die Banken zu retten. Dann wird es über die Inflation auch wieder eingetrieben, was allerdings von den gleichen Leuten bezahlt wird, weil der Spargroschen natürlich entwertet wird über den inflationären Prozess.

TW: Wir werden auf jeden Fall spannende Zeiten sehen. Letztendlich müsste die Politik sich doch über diese Zusammenhänge bewusst sein. Es wird immer deutlicher, dass dieser Lock-Down in dieser Art und Weise gar nicht nötig gewesen wäre, dass es sich einfach um eine sehr ausgeprägte Grippe handelt, die relativ viral ist. Also wie sehen Sie das von der Politik her? Wird das Ganze einfach bewusst gegen die Wand gefahren? Oder ist das reine Inkompetenz?

Dr. K: Also Sie wissen ja, dass ich ein großer Fan der Inkompetenz bin und nicht der Verschwörung. Aber hier kommen verschieden Elemente zusammen.

Es ist nun mal so, dass die Politik zunächst mal jetzt überreagiert hat. Sie hat überreagiert allerdings vor dem Hintergrund einer am Anfang noch relativ unbefriedigenden Datenlage und auch vor dem Hintergrund einer extremen Reaktion in China.

D. h. die Politik hat gesehen, in China ist das Ding ausgebrochen. Was haben die chinesischen Behörden gemacht? Sie haben also eine extreme Reaktion an den Tag gelegt. Sie haben Städte abgeriegelt. Sie haben also alle diktatorischen Maßnahmen, die ihnen zu Gebote stehen eingesetzt, um das Ding einzudämmen. Egal was es kostete.

Dieses Vorgehen der Chinesen hat zunächst mal im Westen den Eindruck erweckt, dass es sich um was Brandgefährliches handeln müsse. Die Daten, die vor 8 Wochen, 6 Wochen vorgelegen haben, waren noch nicht so klar. Zumindest die, die der Öffentlichkeit vorgelegen haben. Vielleicht hatte die Regierung ja bessere. Aber die, die der Öffentlichkeit vorgelegen haben, waren nicht so klar, dass der Alpha- vom Beta-Fehler klar unterscheidbar war.

Was heißt das?

Alpha-Fehler heißt, ich mache nichts, weil ich sage, es ist harmlos. Dann habe ich das Risiko, dass ich mich irre. Das ist der Alpha-Fehler. Und dann sterben Menschen, obwohl ich hätte handeln können und auch handeln müssen.

Die Alternative ist, ich sage, ich mache den Lock-Down. Ich nehme also an, dass es extrem gefährlich ist. Reagiere ganz scharf, irre mich da auch. D. h., das ist der Beta-Fehler, die andere Variante des Fehlers. Dann rette ich keine Menschenleben, weil es ja gar nicht gefährlich ist. Aber ich zerstöre die Wirtschaft.

Also Alpha- und Beta-Fehler waren vor 6-8 Wochen sehr schwer voneinander zu trennen und einzuschätzen, weil die Datenlage spotty war. Sie erinnern sich vielleicht, ich hatte der jungen Freiheit damals ein Interview gegeben, wo ich auch gesagt hab, jetzt erst mal Vorsicht an der Bahnsteigkante, weil die Datenlage unklar ist. Dann hat sich die Datenlage aber in den letzten Wochen herausgeschält. Es wurden immer mehr Daten sichtbar. Und diese Daten deutete eigentlich darauf hin, dass wir eine politische Überreaktion vorliegen haben.

Jetzt war die Politik aber in zweierlei Weisen gefangen. Nämlich einerseits hat sie gesagt, na ja, wenn ich jetzt zugebe, dass ich mich geirrt habe, dann kann ich mich grün anstreichen und den Hasen geben. Das wird mir der Wähler nicht verzeihen. Also muss ich im Irrtum verharren, weil ich den Irrtum nicht zugeben kann.

Deswegen ist die Reaktion der Politik auch völlig rational zu erklären, dass sie so langsam ist, weil sie nicht zugeben können, dass sie sich geirrt haben und überreagiert haben, obwohl es eigentlich das natürlichste von der Welt wäre sich hinzustellen und zu sagen, die Datenlage war damals so und jetzt ist sie besser und deswegen treffen wir jetzt neue Entscheidungen und die treffen wir rational. Aber die Größe hat die Politik nicht, weil sie aus einer Inkompetenz heraus reagiert und agiert und weil sie sich zum damaligen Zeitpunkt auch auf Externe verlassen hat, deren Urteile sie gar nicht einschätzen und bewerten konnte.

Dann hat die Politik natürlich noch ein zweites Element. Sie hat jetzt mal gelernt, wie sie mit extremen Maßnahmen die Bevölkerung zum Schweigen bringt. Also wie sie uns alle sozusagen in den Status bringt, zu sagen „Setzt euch jetzt mal alle nach Hause, seit schön still und brav und sagt nichts!“ Und eine Politik, die so inkompetent ist, die hat auch immer die Neigung autoritäre Dinge auszuprobieren.

Man hat im Internet die Zensur verschärft, man hat alles Mögliche gemacht, um bestimmte Freiheiten zu regulieren, wie man so schön sagt. In Wahrheit, um sie einzuschränken. Sie möchte nicht auf die Finger geschaut bekommen und deswegen reagiert sie mit totalitären Tendenzen, wie man die aus der DDR kannte. Und jetzt haben sie gelernt, das funktioniert mit so einer Drohung ganz super. Und das ist noch ein weiter Anreiz, im Fehler und in dem einmal begangenen falschen Weg zu verharren. Also ich rede jetzt nicht von einer Verschwörung, sondern ich rede einfach von den logischen Folgen inkompetenter Entscheidungen und dem Willen es nicht zuzugeben, dass man sich mal geirrt hat.

Wobei an bestimmten Stellen ja sogar ein gewisses Grundverständnis dafür da sein müsste, dass man sich auch irren darf. Also wenn die Datenlage schlecht ist und die Gefahr hoch, dann, wie gesagt, ist ja Vorsicht geboten. Aber in dem Moment, wo die Datenlage besser wird, muss man dann halt eben dazulernen und muss auch entsprechend umsteuern können.

TW: Ja, Politik ist ein eigenes Thema. Kommen wir wieder zurück zum Thema Banken, was glaube ich auch sehr, sehr viele in unserer Community interessiert. D. h., was jetzt tun? Sollte man eher zu den großen Banken gehen, weil die vermutlich gerettet werden? Geht man lieber auf die Kleinen, in der Schweiz Kantonalbanken oder die Sparkassen, Reifeisenbanken oder am besten außerhalb der EU? Was sollte man tun jetzt mit seinem Geld? Wenn man es noch eine Weile behalten möchte.

Dr. K: Also da die Banken alle untereinander verflochten sind, ist es fast unmöglich, herauszufinden welche Banken gut und welche nicht so gut sind, und welche gerettet und welche nicht gerettet werden.

Ich denke mal, grundsätzlich wird es so sein, dass wenn die Politik zur großen Rettungsorgie schreitet, weil Orgie ist ja das Lieblingswort in Berlin zur Zeit, und wenn sie das dann macht, dann wird sie alle retten. Die Frage ist, zu welchen Bedingungen sie sie retten wird und wie weit die Sparer dann bei den einzelnen Banken zur Kasse gebeten werden.

Aber herauszufiltern, welche Banken grundsätzlich so gesund sind, dass sie auch nicht nur den Schock der Wirtschaft jetzt überstehen im Hinblick auf die Kreditausfälle, sondern, dass sie es auch überstehen, dass andere Banken untergehen und dann durch die Interbankenverflechtung, durch Derivatgeschäfte, durch Interbankenkredite usw. oder durch wechselseitige Garantiebeziehungen, wie das ja auch zum großen Teil der Fall ist.

Es gibt ja auch Garantiebeziehungen untereinander, bspw. die Sparkassen untereinander garantieren ihre Existenz. Jede, einer für alle, alle für einen, heißt es da so schön. Ist eigentlich ein ganz gutes Prinzip. Nur wenn da genug umkippen, dann kann auch eine gesunde Sparkasse über die Garantiebeziehungen mit in den Abgrund gezogen werden. Also diese Garantiebeziehungen, Interbankenbeziehungen, das alles ist ein hochkomplexes Geflecht, das in seiner Komplexität und seiner Endwirkung gar nicht abschätzbar ist. Vor allem nicht von außen und auch nicht mit den Daten, die mir zur Verfügung stehen.

Insofern ist es fast unmöglich, die Banken jetzt in einer so schweren Krise in ein Ranking zu packen und zu sagen die Bank A wird es schaffen, die Bank B wird es nicht schaffen, die Bank C wird es vielleicht schaffen. Das ist, ich sag mal, datentechnisch und analytisch kaum leistbar. Ich traue es mir nicht zu. Insofern bin ich vorsichtig!

Meine Bank heißt Schließfach! Meine Bank für den Cash, der noch übrig ist und für das, was an Assets noch übrig ist, das heißt Schließfach oder heißt Sondervermögen in Form von Wertpapieren außerhalb der Bankbilanz. Aber auf dem Konto selbst jetzt große Summen zu haben, da wäre ich, ganz egal bei welcher Bank, im Moment unvorsichtig.

TW: Wie ist es mit Auslandskonten? Gibt es da noch interessante Möglichkeiten außerhalb der EU, wo Banken noch gut aufgestellt sind?

Dr. K: Natürlich ist Euro-Land mit am stärksten betroffen von dem Problem. Das Bankenwesen im Euro-Land ist das weltweit am stärksten beschädigte Bankensystem durch die Ungleichgewichte, die der Euro erzeugt hat und die ich ja in meinen Publikationen ausführlich dargelegt habe. Insofern ist es davon auszugehen, dass in den USA oder in anderen Wirtschaftsräumen die Welle später ankommt.

Aber auch wenn in Europa die Banken reihenweise kippen, dann wird das auch nicht ohne Schaden an den britischen und amerikanischen und japanischen, chinesischen Banken vorbeigehen.

Die einzigen, die relativ stark abgeschirmt sind, sind die russischen Banken aufgrund des Embargos. Also die sind im Grunde genommen in eine Bankenquarantäne gepackt, wo das Virus der gegenseitigen Ansteckung einer Bankenkrise sie noch relativ gering trifft, weil sie über Interbankenverflechtungen oder Derivatgeschäfte nicht mit den westlichen Banken verflochten sind. Sondern sie sind nur von den heimischen, ökonomischen Problemen betroffen. Die werden allerdings auch nicht klein sein, weil natürlich die Rohstoffmärkte mit Ausnahme der Edelmetalle in der Krise weitgehend kollabieren. Das sehen wir am Ölpreis, das sehen wir auch an allen anderen Rohstoffen. Das bringt natürlich auch Russland in Bedrängnis hinsichtlich der Exporterlöse, die es erzielen kann und hinsichtlich des Bruttosozialproduktwachstums oder bzw. der Schrumpfung, die dann da auch ansteht. Aber dort sind die Banken wenigstens abgeschirmt.

Aber da können Sie nicht einfach so hingehen und ein Konto eröffnen. Das wird kompliziert. Also im Ausland das Geld zu parken braucht vielleicht ein bisschen Zeit, aber wirklich sicher angesichts der globalen Verflechtung des Interbankenmarktes ist das auch nicht.

TW: Wo sehen Sie dann Lösungen? Das heißt, ok! Banken jetzt nicht mehr. Wohin dann?

Dr. K: Also ich sag mal, die klassische Lösung einer solchen Situation ist Liquidität in den Tresor zu legen. Also sich die Banknoten abzuholen und sie in den Tresor zu legen und teilweise in Gold und Silber umzusetzen, teilweise in ausländische Staatsanleihen umzusetzen, die es dann erst später erwischt, wo man dann aber auch raus muss zu bestimmten Zeitpunkten und dort das Geld zu parken.

Und da muss man sehen, da kauft man sich allerdings ein anderes Risiko ein, nämlich das Risiko den Startpunkt der Inflation zu verpassen. Die Inflation wird extrem plötzlich sichtbar werden. Also wenn die erst mal einsetzt, wird sie sehr plötzlich sichtbar werden und sehr plötzlich nach oben schießen, u. zw. einfach aufgrund der gewaltigen Geldmenge, die da in Umlauf gebracht wird.

Es kommt dann der Punkt, wo die Inflation dann dadurch nach oben schießt, dass die Leute sagen, bloß raus aus dem Geld, ich traue diesem Geld nicht mehr und gebe es sofort aus, wenn es mir in die Finger fällt.

In dem Moment, wo das passiert, und sei es, dass sie es nur für Edelmetalle oder sonst etwas ausgeben wollen, wenn das Vertrauen in das Geldsystem bei einer großen Zahl von Leuten verschwindet, dann breitet sich das wie ein Flächenbrand aus und die Leute stoßen das Geld ab. Dadurch treiben sie die Kaufkraft des Geldes in den Keller und dann explodiert die Inflation ganz von alleine.

Diesen Zeitpunkt darf man nicht verpassen mit dem Cash, den man sich in den Tresor gelegt hat, um sich vor dem Bankenkollaps und der Deflation zu schützen. Also man muss rechtzeitig dann in Assets umschichten oder es vorher schon tun, eben in Edelmetalle, dann auch wieder in Grundstücke, die dann allerdings am Ende der deflatorischen Phase günstig sein werden, Immobilien werden sehr günstig sein und in antizyklische Aktien. D. h. also, dort kann man auch jetzt schon einiges reininvestieren. Da wird man zwischendurch Geld verlieren. Aber man hat dann wenigstens nicht das Risiko den Anschluss zu verpassen, wenn dann die Wende bei diesen antizyklischen Aktien einsetzt.

Bei den antizyklischen Aktien gibt’s im Wesentlichen 5 oder 6 Branchen, wo man das Geld parken kann.

Was ist das? Das ist einmal Lebensmittel, weil die immer gebraucht werden, egal wie groß die Krise ist, die Leute müssen essen. Und Lebensmittel haben ja jetzt schon eine gewisse Inflation durch die Verknappung, die da teilweise einsetzt.

Pharmazeutika, dann ist das die zweite Branche.

Edelmetalle ist die Dritte, allerdings nicht Silber. Weil Silber oft als Nebenprodukt von anderen Bergbauprodukten gewonnen wird, wie Kupfer, etc. Und die Nachfrage nach diesen anderen Bergbauprodukten meistens die größere ökonomische Bedeutung für diese Unternehmen hat, sodass eigentlich Goldminen in erster Linie gefragt sind.

Die vierte Branche, die antizyklisch ist, ist Waffen und Rüstung, weil die Volatilität der Ökonomie immer auch die geopolitische Lage volatiler macht. Die Konflikte werden eher bewaffnet ausgetragen, wenn es den Menschen schlecht geht, als wenn es ihnen gut geht. Das ist einfach eine historische Erfahrungstatsache. Da liegt auch eine große Gefahr drin, dass das entgleitet. Aber für die Geldanlage ist ganz klar, dass Rüstung und Waffen natürlich deswegen antizyklisch sind.

Dazu kommen noch zwei Exoten, nämlich Entertainment. Weil wenn es den Leuten schlecht geht, wollen Sie wenigstens abgelenkt werden. Das war schon in den 30ger Jahren so. Die große Zeit Hollywoods waren die 30ger Jahre und nicht die 20ger.

Und last but not least, die Big-Techs, also die Amazons, Googles, Apples dieser Welt, weil sie so groß sind und auch zum Teil so viel kollabierendes Geschäft aus der realen Welt absorbieren, also Amazon dürfte wahrscheinlich jetzt eine gigantische Ausdehnung seines Umsatzes in den letzten Monaten erzielt haben, weil einfach im normalen Retailmarkt nichts mehr gelaufen ist. Die Leute haben einfach alles nur noch online bestellt.

So, das sind die Aktien, in denen man auch Geld parken kann. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass auch diese starken Qualitätsunterschieden erliegen und dass sie hochvolatil sein werden in den nächsten Monaten, bis sich das mal stabilisiert.

TW: Ja, eine Frage abschließend. Wenn jetzt Silberminen nicht so gut laufen, also durch die Art der Produktion, wie sehen Sie denn Silber dann allgemein im Bereich Edelmetalle? Da ist ja ein Unterschied. Das würde sich ja dann fast abkoppeln, oder? Wie kann man das sehen?

Dr. K: Absolut. Also man muss unterscheiden, das Investment in Silberproduktion und Silbermetall hat an der Stelle völlig unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten. Natürlich wenn eine reine Silberproduktion vorliegt, was aber in der Regel nicht der Fall ist, dann würde das auch ein gutes Investment sein. Aber wenn es mit anderen Metallen gekoppelt gewonnen wird und diese anderen Metalle einen Kollaps am Weltmarkt erleiden durch die einbrechende Nachfrage aufgrund der Depression, dann ist das Unternehmen zwar am Leiden aber das Metall deswegen noch lange nicht. Also Gold und Silber per se sind antizyklisch auch in dieser Krise. Insofern verhält sich das Metall ganz anders als die Industrie. Während beim Gold gibt es eine Konkurrenz zwischen Metall und Industrie, weil die Goldhersteller in der Regel nichts anderes produzieren als Gold.

TW: Wunderbar. Ja, vielen Dank. Wir haben uns gerade über den Bankensektor sehr intensiv unterhalten. Wir blenden hier noch ihre beiden letzten Bücher ein.

 „Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen“, sehr interessantes Buch. Habe ich ebenfalls gelesen. Auch das neue Buch von Ihnen, „Die bürgerliche Revolution“. Da können sich Interessenten gerne weiter informieren.

Wir haben auch unterhalb von dem Beitrag noch ein paar Tipps und Tricks zum Thema Geldsicherheit, Enteignungsschutz.

Wir haben explizit dafür unseren Enteignungsinsiderreport aktualisiert mit 12 Tipps und Tricks, wie man sein Geld vor Enteignungen schützen kann.

Wir haben auch immer wieder Live-Trainings dazu. Beispielsweise das Live-Geld-Training, das sich genau um das Thema Geldsicherheit garantiert, wie kann man sich vor Enteignungen schützen? Wie kann man in heutigen Zeiten sein Geld absichern? Das schauen wir uns dort an.

Wer sich also auch hier informieren möchte, gerne die Links unter dem Beitrag anschauen. Da ist noch einiges noch mal mit drin.

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Ja, Dr. Krall, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Es ist wichtig, sich vorzubereiten, zu sehen was ist und konstruktive Maßnahmen zu treffen. Daher Herr Dr. Krall, vielen Dank und bis bald.

Dr. K: Bis bald, Wiederschauen.

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