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Frei vom Staat – Freie Privatstädte als revolutionäres Freiheitskonzept | Titus Gebel

Wie kann man sich aus seinem Heimatstaat „abmelden“ und einen „neuen Staat“ gründen?

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Thorsten Wittmann: Heute beschäftigen wir uns mit einem Pionierthema, das nur wenige Menschen auf dem Schirm haben. 

Dazu haben wir heute den Gründer des Konzepts „Freie Privatstädte“ zu Gast: Titus Gebel. Er ist Unternehmer, Jurist und widmet sich inzwischen vornehmlich genau diesem Thema freier Privatstädte. 

Lieber Titus, ich freue mich, dass du heute mit dabei bist. Wir haben ein sehr spannendes Thema, das gerade auch freiheitlich denkende Menschen stark interessieren dürfte. 

Titus Gebel: Guten Tag, Thorsten. Ich freue mich, hier zu sein und über jenes Thema zu referieren, das seit einigen Jahren zu meiner Lebensaufgabe geworden ist. 

TW: Ich bin von verschiedenen Ecken aus immer wieder auf dieses Thema gestoßen und habe mich in letzter Zeit intensiver damit auseinandergesetzt. Es ist wirklich hochinteressant. Die erste Frage gleich vorweg: Was sind freie Privatstädte genau, was kann man sich darunter vorstellen?  

1. Konzept 

TG:  Das ist im Grunde ist es nichts, was vom Himmel gefallen ist. Freie Privatstädte sind im Grunde ein Dienstleistungskonzept und eine Alternative zu bestehenden Staatssystemen. Wenn wir genau darüber nachdenken, ist ein Staat eben eine solche Dienstleistung. Wir wollen von ihm vor allem Sicherheit haben. Der Staat soll uns davor schützen, dass wir nicht totgeschlagen werden, wenn wir aus der Tür treten. Er soll dafür sorgen, dass wir uns nicht duellieren müssen, wenn es Ärger gibt, sondern, dass es zivilisierte Streitschlichtungsverfahren gibt, bei denen man seine Rechte durchsetzen kann. Natürlich wollen verschiedene Leute auch noch verschiedene andere Dinge vom Staat, aber Sicherheit wollen alle. 

Man muss aber sagen: Wenn ich wirklich in Sicherheit leben will und eine gewisse Infrastruktur, soziale Mindestsicherung und zivilisierte Streitschlichtung haben möchte, dann kann das auch ein Unternehmen leisten. Dann kann man mit dem Unternehmen einen Vertrag machen und es für die entsprechenden Leistungen bezahlen. Wie bei jedem Vertrag kann nicht eine Seite einfach aussteigen oder etwas am Vertrag ändern. Das ist aber genau unser Problem. Stell dir folgende Situation vor: Du gehst zu einem Autoverkäufer, da du dir ein Auto kaufen willst. Dieser sagt: Herr Wittmann, einverstanden, Sie können ein Auto kaufen, aber ich suche das Modell, die Motorisierung, die Farbe, die Innenausstattung und den Preis aus. Sie müssen das Auto dann bezahlen. Da würdest du nicht zustimmen. Du würdest entrüstet fragen: „Wieso sollte ich mich auf diesen Deal einlassen?“ Genau das beschreibt aber unser Verhältnis zum Staat. 

Im Staat werden die Regeln von anderen gemacht. Wir müssen sie schlucken und haben nicht einmal einen Gegenanspruch. Stell dir vor, Erziehung, Bildung, Sicherheit und Infrastruktur sind schlecht geworden. Dann können wir unsere Steuern nicht so lange zurückhalten, bis das wieder in Ordnung gebracht ist. Dieses extreme Ungleichgewicht zwischen den Herrschenden in einem Staat und den Staatsbürgern ist ein Riesenproblem. 

Die Staatsbürger sind eigentlich Untertanen, die nichts zu sagen haben. Alle vier Jahre können sie zwar wählen, aber eigentlich haben sie keinerlei politischen Einfluss. Die Ausnahme ist hier die Schweiz, wo die Bürger tatsächlich auch Volksabstimmungsrechte haben. Überall anders hat kein Bürger die Entscheidung darüber, was von ihren Steuergeldern gekauft wird und wessen Interessen bedient werden. 

TW: Alle Versprechen, die zur Zeiten einer Wahl gemacht werden, werden ohnehin anders umgesetzt. Das hat in der Regel keinen Wert.  

TG: Genau. Als Bürger hat man auch keine Handhabe. Man kann sagen: Ich habe die Partei mit jenem Programm gewählt. Die gewählte Partei kommt an die Macht und macht dann aber etwas ganz Anderes.  

Wie würde das aber laufen, wenn wir wirklich einen Dienstleistungsvertrag wie in der freien Privatwirtschaft hätten? Dann würde ich natürlich nicht sagen: „Ich habe jetzt mit Thorsten Wittmann einen Vertrag gemacht. Da steht drin, dass ich sein Leben, seine Freiheit und sein Eigentum schützen schützen muss. Ich muss eine gewisse Infrastruktur zur Verfügung stellen und Streitschlichtungssysteme anwenden, mit Gerichten und Schiedsgerichten. Thorsten Wittmann muss dafür 1.500€ pro Jahr bezahlen.“ Das entspricht etwa dem Wert der Grundsicherung. Und eines Tages sage ich: „Übrigens, ich habe es mir anders überlegt. Du musst jetzt doppelt so viel bezahlen, weil wir jetzt noch einen militärischen Auslandseinsatz in irgendeiner Bananenrepublik finanzieren.“ Dann sagst du: „Moment mal, davon steht nichts im Vertrag. Ich zahle nicht. Ich zahle nur die vereinbarten 1.500€.“ Genau das ist auch richtig und du kannst dein Recht auch durchsetzen. Wenn ich zum Anwalt gehe und ausmache, dass ich ihm einen Stundensatz von x bezahle, kann der Anwalt nicht plötzlich sagen, dass es doch das Doppelte kostet. Beim Staat ist das anders. Der kann das tun, und wir können uns nicht wehren. Da stellt sich die Frage: Warum ist das so? 

Der Staat kommt eigentlich aus einer Zeit, in der autokratische Monarchen und Diktatoren geherrscht haben und die Bürger Untertanen waren. Sie waren Leibeigene und mussten das machen, was sie durften. Langsam konnten sie mehr Rechte für sich erringen. Das Beste, das man erreichen konnte, war die Demokratie. Das heißt, dass alle mitbestimmen dürfen, wer der „Diktator“ ist und wer dann über seine Parlamentsmehrheit verfügen kann. Wir sehen das jetzt in Deutschland. Der Parteienstaat hat dazu geführt, dass die Gewaltenteilung quasi komplett aufgehoben ist. Die einzige Gewalt, die noch dagegenhalten könnte, wäre die Presse. Diese berichtet aber auch nach Regierungslinie. 

Das Problem, dass man als Steuerzahler nicht mitreden darf, ist unabhängig von bestimmten Parteien, politischen Richtungen oder Ländern. Dieses Problem hat die ganze Welt. Eine Möglichkeit, um dieses Problem zu lösen wäre es, wenn wir den Dienstleistungsvertrag nehmen und ihn auf den Markt des Zusammenlebens übertragen. Daraus resultiert das Angebot einer freien Privatstadt. Als Betreiber der freien Privatstadt bringe ich mein eigenes Risikokapital mit, um eine Stadtinfrastruktur aufzubauen. Ich arbeite mit Immobilienentwicklern und anderen Experten zusammen und mache euch ein Angebot, bei dem ich euch den Schutz von Freiheit, Leben und Eigentum garantiere. Dafür zahlt ihr einen Beitrag. Den Beitrag kann ich nicht einseitig ändern. Ich kann auch die Regeln nicht einseitig ändern. Natürlich gibt es da Regeln des Zusammenlebens. Es gibt ein Zivilrecht. Das Schöne ist, dass man all diese Regeln vorher kennt. 

Der große Knackpunkt ist, dass auch deine Mitmenschen den Vertrag nicht ändern können, wenn sie sagen, dass alle dafür sind, ein Schwimmbad zu bauen. Wenn dann einer dagegen ist und dadurch massive Verluste einfahren würde, wird der von dir als Operator und Stadtbetreiber geschützt. Wenn er dagegen nur den Eintritt nicht bezahlen möchte, ist das deren Ding. Wir bieten also nur einen Rahmen, der die Sicherheit aller gewährleistet. Alles andere wird so ausgeformt, wie die Menschen das möchten. Die „Zivilgesellschaft“ – das ist eigentlich ein Propagandaausdruck – kann sich austoben. Sie können ihre eigenen Regeln und Ordnungen aufstellen, aber sie können niemanden zwingen, dort mitzumachen.  

Es gibt dort natürlich auch eine Versicherungsoption, eine Art soziale Mindestsicherung. Dann müssen die Bürger aber nicht nur 1.500€ bezahlen, sondern entsprechend mehr. Es können sich aber Selbsthilfegruppen für sozial Schwache etablieren. Jeder Einzelne hat die Möglichkeit, sich wie im Supermarkt portfoliomäßig seine Optionen zusammenzustellen, je nach Lebenssituation und Vorlieben. 

Das ist meines Erachtens aus zweierlei Gründen vorteilhaft. Einmal, weil die Umverteilungsmaschine wegfällt, wo auch ganz viele unproduktive Leute an Jobs kommen. Zum anderen, weil nicht mehr jeder das Gleiche machen muss, bis 65 oder 67 arbeiten und dann in Rente gehen.  

Bei uns kann dagegen jeder selbst sein Rentenkonzept designen. Wenn er der Meinung ist, dass er mit 50 Jahren genug gearbeitet hat, kann er aufhören zu arbeiten und in Rente gehen – oder welches Konzept er sich auch immer ausgedacht hat. In einem solchen Rahmen hat man eine wesentlich höhere Lebensqualität, bessere Infrastruktur, mehr Innovation und man kann auch für die sozial Schwachen besser sorgen. Wir behindern mit unserem Konzept der freien Privatstadt niemanden mit tausenden unnötigen Regulierungen. 

TW: Je kleiner, desto flexibler. Wenn man sich so Stadtstaaten wie Singapur oder Hongkong ansieht, wie Singapur oder Hongkong sieht man, dass die Entscheidungswege kürzer sind und insgesamt effizienter gearbeitet wird. Es ist auch weniger anonym, weil jeder jeden irgendwie kennt. Wenn man Unsinn macht, sehen dich viele bekannte Gesichter dabei. Das hat schon auch Vorteile.  

TG: Das ist sicher richtig. Diese soziale Kontrolle, die du ansprichst, ist natürlich effektiv. Wenn ich in der großen Hauptstadt in einem abgesicherten Regierungsviertel eingebunkert bin, kann ich alle möglichen abgedrehten Ideen haben. Diese Ideen müssen dann die Leute am Land oder in den Bergen ausbaden. In kleinen Städten begegnet man den Leuten jeden Tag, die die eigenen Ideen ausbaden müssen. Die konfrontieren einen dann damit und fragen, was man sich dabei gedacht hat. Das spielt schon eine Rolle. Aber dass man vertraglich gebunden ist und, nicht wie unsere Politik, die Regeln jederzeit ändern kann, ist wohl der Hauptpunkt. Das unterscheidet sich gravierend vom jetzigen System. 

2. Praxis 

TW: Wir haben bereits über die Theorie gesprochen. Es gibt aber bereits Länder, mit denen ihr Gespräche führt, um dieses Konzept in die Praxis umzusetzen. Welche Länder kommen da in Betracht und wie darf man sich das Ganze in der Realität vorstellen?  

TG: In der wirklichen Welt ist das gesamte Land natürlich schon verteilt. Bei meinem freien Privatstadtkonzept bin ich nicht davon ausgegangen, dass wir souveräne Stadtstaaten haben. Stattdessen vereinbaren wir eine Sonderverwaltungszone mit den Ländern. Solche Sonderwirtschaftszonen gibt es schon zu tausenden. Jede einzelne hat spezielle Regeln für wirtschaftliche Betriebe. Die haben dann weniger Export- und Importzölle, oder sogar gar keine. Sie haben Steuererleichtungen und Regulierungserleichtungen. Jede dieser Sonderwirtschaftszonen ist schon ein Eingeständnis des Staates, dass seine Regeln offenbar nicht die besten für alle Bereiche und Branchen sind. Das machen wir uns zunutze. Wir gehen einen Schritt weiter und wollen noch autonomere Sonderwirtschaftszonen haben, die sich auch eigene Regeln geben können. Das ist natürlich eine Macht, die Staaten nicht so gerne hergeben. Da müssen wir verhandeln und Win-Win-Situationen suchen, bei denen wir in einem Gebiet agieren, wo sonst gar nichts ist. Denn das Konzept der freien Privatstadt basiert zu 100% auf Freiwilligkeit. Wenn einem der Vertrag nicht gefällt, muss er nicht unterzeichnen. Niemand muss dort wohnen oder dorthin kommen. Daher müssen wir irgendwo neu anfangen, wo niemand wohnt. Die schwierigere Alternative ist, dass die Leute, die dort wohnen, dem Vertrag freiwillig zustimmen. Ein reines Privatsystem ist so aber meistens schwer durchsetzbar. Der Staat will dann weiterhin, dass beispielsweise sein Strafrecht oder seine Verfassung auch in dieser Zone gültig sind. Wir können es daher vor allem bei Ländern, die einen gewissen Leidensdruck haben, versuchen, ähnliche Sonderverwaltungszonen wie Hongkong zu verhandeln. 

Eine solche Verhandlung für eine Sonderverwaltungszone ist im Staat Honduras bereits gelungen, wobei Honduras selbst die Idee hatte, etwas Hongkongähnliches zu schaffen. Die kannten die Idee der Privatstädte noch gar nicht. In Honduras wurde ich von Leuten angesprochen, die dort etwas Neues machen wollten. Die haben dann eine Art Hybridsystem entwickelt, bei dem man die öffentlich-rechtlich verwaltete Sonderzone mit privaten Elementen ergänzt.  

Wir sind außerdem mit einem afrikanischen Staat in Verhandlungen. Dort gibt es eine Kommission, die uns eine quasi echte Privatverwaltung für viele Bereiche erlaubt. Wir tasten uns also Schritt für Schritt vor. Auf einer anderen Ebene gibt es die sogenannten Intentional Communities, also wertbasierte Kommunen, in denen sich Menschen zusammenschließen und in einer Art Genossenschaft unter gleichen Regeln zusammenleben. Da kann man die Idee einer Privatstadt ein bisschen simulieren. Diese Communities haben aber den Nachteil, dass man natürlich nach wie vor sämtlichen staatlichen Regeln unterworfen ist. Es gibt aber viele Leute, die sagen, dass sie in diesen schwierigen Zeiten zumindest unter Gleichgesinnten leben wollen. 

Wir wollen versuchen, so viele Freiheiten und so viel von unseren Werten in die Konstruktion der Privatstädte einzubauen. Die Verhandlungen mit Regierungsvertretern dauern da aber natürlich Jahre. Das ist ein dickes Brett, das man durchbohren muss. Von daher könnten die International Communities ein Modell sein, das sich jetzt auch in Europa etablieren wird.  

Wir sagen den Regierungen offen, dass wir glauben, dass unser System besser funktioniert. Manche Leute verstehen das. Die sehen, dass ihre Länder reformbedürftig sind und wollen das in einem kleineren Bereich einmal probieren. Das ist, denke ich, auch das, was in diesem Markt des Zusammenlebens ein bisschen fehlt: Wettbewerb und alternative Modelle. Von daher ist es gut, wenn es viele Leute gibt, die verschiedene Konzepte präsentieren. Ich bin nicht der Einzige, der über so etwas nachdenkt. Es gibt noch die Charter City Bewegung, die ähnliche Ideen hat. Dann gibt es SEAstater, die das Ganze auf hoher See machen wollen. Es gibt also genug Einzelpersonen, die eine Privatstadt aufbauen wollen. Das Problem ist aber, dass die Konzepte oft nicht richtig durchdacht sind, weil man rechtliche Unabhängigkeit braucht. Der Druck ist irgendwie da und daraus resultiert ein gewisses Moment. Viele sehen sich nach etwas Neuem um. 

TW: Wir haben aktuell die Tendenz, dass es immer mehr solcher Freiheitsprojekte gibt, aber man muss auch genau hinschauen, wie die Qualität dahinter ist. Da gibt es neben den wirklich durchdachten und seriösen Projekten auch einige Trittbrettfahrer. 

TG: Es gab tatsächlich in der Vergangenheit Freiheitsprojekte, bei denen es nur darum ging, andere Leute mit Grundstücksanzahlungen abzuzocken. Da muss man wirklich aufpassen. Auf der anderen Seite gibt es auch Leute, die guten Willens sind, denen aber ein bisschen der Verstand oder das Verständnis fehlt, wie so etwas konzipiert sein muss. Es reicht meistens nicht, dass einfach irgendwelche Gruppen zusammenziehen. Deshalb habe ich den Ansatz von einem Anreizsystem, das wir alle kennen, verwendet: Das Anreizsystem des Marktes, also Angebot und Nachfrage, Gewinnorientierung und Wettbewerb. So sage ich dir ganz transparent, dass ich mit dem Konzept der freien Privatstadt Geld verdienen will. Ich biete dir eine Leistung für Geld an. Wenn ich diese Leistung nicht gut erbringe, kannst du die Bezahlung kürzen oder mich sogar verklagen. Als Beispiel: Wenn du in meiner freien Privatstadt 1.500€ bezahlst, sorge ich für deine Sicherheit. Ein paar Dinge musst du natürlich noch selbst übernehmen: Die Erziehung deiner Kinder, deine eigene Alterssicherung, deine Gesundheitsvorsorge. Dafür gibt es aber privatwirtschaftliche Anbieter und ich sorge dafür, dass diese privaten Anbieter auch Zugang zu dir haben. Dann wird plötzlich in deine Wohnung eingebrochen. Du sagst: „Mensch, Titus, im Vertrag steht doch, dass ihr mir Sicherheit gewährleistet. Jetzt wurde bei mir eingebrochen. Ich fordere Schadensersatz.“ Dann sage ich: „Stimmt. Ich habe dir eine Leistung versprochen, nämlich, dass du sicher in meiner freien Privatstadt leben kannst. Jetzt wurde bei dir eingebrochen. In diesem Fall bin ich schadensersatzpflichtig.“ Dann leite ich den Fall an meine Versicherung weiter. 

Das sollte eigentlich normal sein. Wir sind aber gar nicht daran gewöhnt, weil der Staat sowieso machen kann, was er will. Aber eigentlich ist das nicht richtig. Eigentlich sollte es ein Austauschverhältnis sein. Man gehorcht und zahlt und fordert dafür eine Leistung. Wer den Vertrag unterzeichnet, verpflichtet sich dazu, zu gehorchen und zu bezahlen. Wer nicht gehorchen und bezahlen will, braucht den Vertrag nicht unterschreiben und kann woanders hingehen. Im Gegensatz zu einem Nationalstaat haben wir hundertprozentige Zustimmung zu unseren Regeln. Natürlich kann es zu Streitigkeiten kommen, wenn du behauptest, die Leistung wurde schlecht erfüllt und ich sage, dass das gar nicht stimmt. Dann gehen wir zu einem unabhängigen Schiedsgericht, das außerhalb der Gerichte der Stadt ist. Dieses entscheidet den Streitfall dann. 

Das sind alles Themen, die in gewisser Weise revolutionär sind. Auf der anderen Seite ist es aber eigentlich auch etwas, das in einem Dienstleistungssystem normal sein sollte.  

 

3. Aktuelle Projekte 

TW: Das ist ein hochinteressantes, potenziell revolutionäres Konzept. Du hast es gerade angesprochen: Gibt es bestimmte Projekte, die man sich unbedingt ansehen sollte? Wann denkst du, ist es realistisch, dass sowas wirklich Realität wird? 

TG: Man kann sich diese Projekte in Honduras anschauen. Da gibt es mehrere. 

Es gibt Próspera auf der Insel Roatán. Dann gibt es Morazán. Das ist ein Projekt auf dem Festland. Das ist allerdings sehr industriell geprägt. 

Es gibt außerdem die Orquidea. Die ist auf der anderen Seite von Honduras, am Pazifik. Das sind die drei bisher genehmigten CDs. CD heißt Zone für Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung. Es gibt über zwanzig Projekte, die in der Pipeline sind und auf Genehmigungen von Regierungen warten. Am Sonntag finden Wahlen in Honduras statt, deren Ausgang die Projekte natürlich beeinflusst. Wir können für deine Leser diese Links zu den CDs in Honduras einblenden. Dann kann sich jeder das selbst auf den Webseiten der Anbieter ansehen. Es gibt aber auch andere Gruppen, die noch keinen CD-Status haben. Die sind aber dabei, so etwas zu etablieren.  

Da gibt es zum Beispiel eine deutsch-schweizer Gruppe, die Guanaja Hills. Dann gibt es noch auf der Insel Utila die Coral Beach Village Initiative. Auf den schönen Karibikinseln, auf denen durchgehend Englisch gesprochen wird, kann man sich das durchaus vorstellen. Auf dem Festland geht das eher weniger, da ist Spanisch die einzige Sprache. 

Wie bereits erwähnt arbeiten wir auch noch an einem afrikanischen Projekt, das schon ziemlich weit fortgeschritten ist. Wir brauchen da aber noch die letzte Zustimmung der Regierung. Es könnte aber sein, dass das schon nächstes Jahr los geht. 

Dann hat El Salvador kürzlich diese Bitcoin City angekündigt. Da muss man auch schauen, wie sich das weiterentwickelt, das könnte eventuell interessant sein. Man muss sagen, dass es derzeit noch recht früh ist. Es gibt aber schon die ersten Projekte in Honduras, die man sich ansehen könnte. Ich würde deinen Lesern auch empfehlen, sich in den Newsletter der Stiftung „Free Private Cities Foundation“ über deren Website einzutragen. 

Dort wird über neue Projekte dieser Art informiert. Da sieht man dann, dass es tatsächlich schon erste Projekte in diese Richtung gibt. Die Stiftung will eine Art Onlineverzeichnis über alle Freiheitsprojekte machen, die es auf der Welt gibt – oder zumindest über die Bedeutenderen. 

Wir haben dieses Jahr angefangen eine Konferenz zu machen, die Liberty in Our Lifetime“ heißt. Die fand in diesem Jahr zum ersten Mal in der Schweiz statt und war sehr erfolgreich. Da geht es darum, dass sich solche Projekte selbst präsentieren. Es gibt auch Newcomer, die Vorträge halten und neue Projekte vorstellen. Nächstes Jahr im Oktober wird in Prag die nächste Konferenz stattfinden. Da können alle kommen, die sich für dieses Thema interessieren, um zu sehen, was angeboten wird. Es gibt immer wieder Leute, die sagen, man solle doch auf die Insel Sark gehen. Diese ist eine der Channel Islands. Es gibt mit Paraguay und Co. auch normale Staaten, in die man auswandern kann. Diese Themen bewegen sicherlich auch viele Leute. Aber wir wollen uns wirklich auf dieses Konzept fokussieren, das tatsächlich eine garantierte Freiheit bietet. Wenn man in ein anderes Land auswandert, besteht die Gefahr, dass die Regierung bei der nächsten Wahl ausgetauscht wird. Dann wird alles anders. Das ist genau das, was wir mit dem Vertragskonzept vermeiden wollen. Ich kann sagen, dass mindestens eine CD mein Bürgervertragskonzept übernommen hat. Dort hat man tatsächlich vertraglich garantiert Rechte und Pflichten, die nicht einseitig geändert werden können. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Diese Umwälzung ist aber langwierig. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Menschen neu sortieren. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern im gesamten Westen, wenn nicht sogar in der gesamten Welt. Die Geschichte zeigt, dass solche Zeiten immer wieder auftreten. Es gab die Völkerwanderung, den Zusammenbruch des römischen Reichs oder die große Auswandererwelle in die USA als Reaktion auf die religiösen Streitigkeiten des Mittelalters. Jetzt haben wir wieder eine Auswandererwelle, weil die Mehrheit in vielen Ländern immer autoritärer wird. Die Minderheit ist damit nicht einverstanden und hat dann kaum andere Möglichkeiten, als das Land zu verlassen und sich mit Gleichgesinnten zu umgeben. Ich denke, dass wir jetzt an der Schwelle eines neuen Zeitalters stehen, in dem sich die Menschen nicht anhand von Abstimmungen, sondern anhand von Überzeugungen sortieren. Das ist ein Zeitalter, in dem man sagt: Ich finde, dass Freiheit ein guter Wert ist, der erstrebenswert ist. Ein anderer sagt: Nein, es ist viel wichtiger, dass wir alles kontrollieren, was geschieht. Vielleicht ist da eine Grenze erreicht, bei dem man sich eingestehen muss, dass nicht alle Konzepte miteinander kompatibel sind. Salopp gesagt: Wenn ein Kommunist sagt, dass Eigentum Diebstahl ist, und ich als liberaler und libertärer sage, dass Privateigentum die Grundlage aller Freiheit ist, dann gibt es da keinen Kompromiss. Wir können nicht in einem System zusammenleben. 

Vielleicht habe ich ja unrecht und meine Einstellung ist falsch. So kann der Kommunist eine kommunistische Kommune gründen, während wir in unsere freie Privatstadt ziehen. Anschließend sehen wir, wer besser performt. Am Ende ist es vielleicht auch so, dass es nicht nur ein Produkt gibt, das besser als alle anderen ist. 

Die Menschen sind verschieden, daher gibt es eben viele verschiedene Produkte. Ich will mit den anderen Leuten gar nicht diskutierenaber lass es uns doch probieren. Alles ist freiwillig, lass uns sehen, wohin das führt. Vielleicht ist es so, dass 90% der Leute gar nicht in freien Privatstädten leben möchten. Warum sollte man es aber den 10% verbieten, die es möchten? Natürlich rechne ich damit, dass wir auch technologisch und innovativ besser als die anderen sind. Ich glaube einfach, dass die freiheitsliebenden Menschen mehr Ideen haben. Aber vielleicht ist es gar nicht so. Das wird die Praxis dann zeigen. 

Ich will einfach eine Alternative für Menschen bieten, die freisinnig sind und nach innerer Freiheit streben. Menschen, die die Regeln des Zusammenlebens zwar einhalten, aber ihr Ding machen und nicht vorgeschrieben bekommen möchten, welche Produkte sie kaufen dürfen. 

Ich war selbst 30 Jahre politisch aktiv, meistens in der deutschen FDP. Dort habe ich gemerkt, dass diese Ideen von Freiheit und Selbstbestimmung nicht mehrheitsfähig sind. So hart das auch klingt: Im Zweifel sind vielen Menschen andere Dinge wichtiger. Wer den Menschen verspricht, dass er ihnen alle Lebensrisiken abnimmt, gewinnt auf lange Sicht jede Wahl. Es ist auch verständlich, dass viele Menschen keine Risiken eingehen wollen. Aber wenn man im Leben wirklich weiterkommen will, muss man ein bisschen Risiko eingehen 

Daher sehe ich keine andere Lösung, als dass wir uns in Gruppen trennen, die einigermaßen gleiche Werte haben. 

TW: Ich finde, dass dieses Konzept es auf jeden Fall wert ist, weitergetragen zu werden. An die Leser: Ihr könnt diese Informationen gerne auch weitergeben! Denn es ist wichtig, dass mehr Menschen auch von solchen Ideen mitbekommen, die unser zukünftiges Leben freiheitlicher und besser machen können. Es ist sehr schön zu hören, dass bereits so viele Projekte in diese Richtung in den Startlöchern stehen. 

Titus, herzlichen Dank für deine Zeit und das spannende Interview. 

TG: Gerne. 

TW: Liebe Leser, vergesst nicht, euch in den Newsletter einzutragen, um up to date zu bleiben. Ich würde dir, Titus, gerne das Schlusswort übergeben. 

TG: Vielen Dank, Thorsten. Ich denke, es ist nicht aller Tage Abend, es gibt Hoffnung. Wo die Finsternis am größten ist, da ist auch das Rettende am nächsten. Wir werden tun, was wir können, um alternative Modelle anzubieten, die man dann auch nutzen kann und bei denen man unter Gleichgesinnten durchatmen kann. Ich freue mich, wenn der ein oder andere dabei sein wird, der jetzt diesen Beitrag gelesen hat. 

TW: Herzlichen Dank an dich, an die Leser und bis bald.

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