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Dr. Krall: Welche Bank ist sicher, was ist mit Inflation und Bitcoin?

Wie sicher sind die Banken wirklich? Wo kannst du dein Geld anlegen? 

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Bankensicherheit, Inflation und Bitcoin 

  1. Rückblick 2021 
  2. Ruhe vor dem Sturm? 
  3. Welche Banken sind sicher? 
  4. Top-Bankenstandorte 
  5. Digitale Währungen 
  6. Atlas-Initiative 

Thorsten Wittmann: Wo kannst du dein Geld anlegen? Bankensicherheit ist ein Dauerthema in unserer Community, ein Dauerthema. Was passiert hier im Hintergrund?  

Zu diesem Thema haben wir einen ausgewiesenen Bankenkenner, Bestsellerautor und Vorstand von Degussa eingeladen - Dr. Markus Krall 

Herr Dr. Krall, schön, dass Sie wieder einmal hier sind. Wie geht es Ihnen? 

Markus Krall: Mir geht es soweit sehr gut. Ich grüße Sie, Herr Wittmann! Es freut mich, wieder bei Ihnen auf Sendung zu sein. Ich kann mich nicht beklagen. Insgesamt ist die Lage gut. Ich genieße jeden Tag die Entscheidung, die Papiergeld-Finanzwirtschaft verlassen und die Goldgeld-Finanzwirtschaft betreten zu haben. 

TW: Es bleibt weiterhin spannend. Bevor wir direkt auf den Bankensektor zu sprechen kommen, machen wir vielleicht einen kleinen Rückblick auf die letzten Monate. Es ist schon ein bisschen her, dass wir uns das letzte Mal unterhalten haben. Das war im Juli 2021. Wie bewerten Sie das erste Halbjahr und das, was alles passiert ist? 

1. Rückblick 2021 

MK:  Das erste Halbjahr 2021 kann am besten durch Liquiditätsdruckbetankung der Zentralbanken beschrieben werden. Das ist ein interessantes Phänomen. Die Zentralbanken wissen, dass jedes Nachlassen in der Geschwindigkeit des Gelddruckens sofort zu gravierenden Verwerfungen führt. Sie wissen auch, dass die Banken auf tönernen Füßen laufen. Auch, wenn sie vielleicht die eine oder andere scheinbar beruhigende Meldung von Bank-Zwischenergebnissen und Quartalsergebnissen in den letzten Monaten gesehen haben. Es ist eine Tatsache, dass das Ganze nur durch die Druckbetankung der Zentralbank am Leben erhalten wird. Und, dass Banken schon wieder wie vor 2007 vor allem durch Positionsnahme Geld verdienen. Mit anderen Worten – dass sie zocken. 

Im klassischen Commercial-Banking wird nach wie vor kein Geld verdient. Die Banken müssen jetzt immer mehr Negativzinsen auf die Kunden überwälzen, damit das System überhaupt noch funktioniert. Es sammeln sich auch weiterhin Zombie-Unternehmen in den Bankbilanzen an. Was allerdings richtig ist, ist der Vorwurf, dass die Banken gekippt sind. Die Zentralbanken haben nämlich entschieden, dass sie die inflationäre Politik, die sie zur Bankenrettung brauchen, schon vor der Bankenrettung machen. 

Sie blasen die Geldmenge mit dem Tempo auf, das sie normalerweise eigentlich gehabt hätten. Wenn sie es auf den Bankencrash hätten ankommen lassen. Oder wenn die Banken in die Knie gegangen wären. Und sie dann mit frisch gedrucktem Geld hätten retten müssen.  

rasanter Anstieg der Bilanzsumme der EZB in den letzten 2 Jahren 2020 - 2021

Bilanzsumme der EZB von 2004 bis 2021

Wenn man sich ansieht, mit welcher Geschwindigkeit sich gerade in der letzten Woche wieder die Zentralbankbilanz der EZB ausgedehnt hat sieht man, dass es in 5 Tagen 140 Milliarden Euro zusätzliches Zentralbankgeld gab. Dabei war das noch nicht einmal Rekord dieses Jahres. Im März hatten wir die Woche vor dem 25/26., in dem die Zentralbank die Geldmenge innerhalb einer Woche um 340 Milliarden Euro ausgedehnt hat. Man muss hervorheben, dass ich hier noch nicht die Giralgeld-Menge miteinbeziehe, die noch obendrauf kommt. Das sind nur 340 Milliarden frisch gedrucktes Zentralbankgeld. 

In Wochen, in denen wenig neues Geld gedruckt wird, beschränkt sie sich darauf, zwischen 30 und 40 Milliarden Euro pro Woche frisch in Umlauf zu bringen. Selbst diese Zahlen sind noch unfassbar hoch.  

Denn man muss diese Zahlen in Bezug zur Zentralbankgeldmenge vor 20 Jahren betrachten. Das Bruttosozialprodukt von vor 20 Jahren ist nicht massiv von dem heutigen abgewichen. Seit 1999, als die EZB aus der Taufe gehoben wurde, hatten wir insgesamt knapp unter 700 Milliarden Euro Zentralbankgeld. Das war die gesamte Zentralbankbilanzsumme in der EZB. Heute druckt die EZB 700 Milliarden in wenigen Wochen. 

TW: Wie lange kann das Ihrer Ansicht noch so weitergehen? Kann die EZB das langfristig durchhalten, oder spüren wir jetzt die Ruhe vor dem Sturm?   

2. Ruhe vor Sturm 

MK:  Für die Öffentlichkeit scheint es noch so, als wäre es die Ruhe vor dem Sturm. Die hat aber noch nicht mitbekommen, was unter der Oberfläche passiert. Dort greift die Inflation bereits jetzt! In der Bauwirtschaft und im Handwerk sehen wir jetzt zwei Klassiker des Sozialismus: Teuerung und Schlange stehen. 

Die Teuerung bei Baumaterialien ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Holz ist 400%, Silikon 200% und Betonstahl ebenfalls 200% teurer geworden. Wir reden nicht mehr über schleichende, sondern über galoppierende Inflation.   

Bei Industrieverpackungen und den Verpackungen von Lebensmitteln liegt die Inflation ebenfalls im dreistelligen Bereich. Dazu muss man wissen, dass bei der größte Teil der Kosten bei Lebensmitteln nicht von den Lebensmitteln selbst verursacht wird, sondern von deren Verpackung.  

Es rollt eine Inflationswelle auf Verbraucher zu, die aber erst ankommen wird. Das lange angestaute und aufgesparte inflationäre Potenzial frisst sich jetzt durch die Warengruppen durch. Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Ich bin sicher, dass wir jetzt den Anfang von etwas sehen, das uns allen noch sehr große Kopfschmerzen bereiten wird. 

Zumal man beachten muss, dass der Warenkorb, mit dem die Inflationsrate ausgerechnet wird, ein auf möglichst niedrig ausgewiesene Raten hin getrimmter Warenkorb ist. Die Inflationsrate wäre mit einem realistischen Warenkorb noch viel höher. 

Damit haben wir schon jetzt lange nicht mehr die 2,5-3% Inflation, die die EZB neuerdings ausweist. Mit einem realistischen Warenkorb würden wir jetzt schon in Richtung der 10% liegen. Das merken die Menschen auch. Die Leute können sich heute das Leben, das sie sich vor 20 Jahren leisten konnten, nicht mehr leisten. Allein schon deswegen, weil der größte Einzelposten im gesamten Haushalt, nämlich die Kosten des Wohnens, komplett explodiert sind. Der zweitgrößte Einzelposten, nämlich Sprit und die Kosten des Autofahrens sind auch explodiert. Der drittgrößte Einzelposten, nämlich die Kosten der Energie, sind auch explodiert. Dort sind die Raten viel höher als 2%. Die Menschen haben heute einfach weniger in der Tasche und gleichzeitig kommt es zu Rationierungen 

Wer heute anfängt, eine Baustelle aufzumachen, sollte sicher sein, dass er auch mit allen benötigten Materialien beliefert wird. Hier sind die Preise explodiert. Wer die Materialien nämlich nicht hat, muss in der Schlange stehen. So liegt der Bau dann lange still und der ökonomische Schaden wird sehr schnell sehr hoch. 

Dieses Rationierungsphänomen wird die Preise noch weiter nach oben treiben. Denn einige Marktteilnehmer werden mehr bezahlen, um die knappen Güter zu bekommen. Das ist ein zusätzlicher Inflationstreiber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das in einer Lohn-Preis-Spirale mündet. Im Moment sagen alle noch, dass das nicht passieren wird, weil die Gewerkschaften diesbezüglich noch zurückhaltend sind. Aber warten Sie ab, ob die Gewerkschaften noch stillhalten, wenn die Kaufkraftverluste mehr als 10% betragen.  

TW:  Das heißt, wir befinden uns derzeit eher im Anfangsstadium. Rechnen Sie damit, dass diese Tendenz der Inflation sich weiter zuspitzen wird?  

MK:   Ich erwarte, dass sich die Inflationstendenz beschleunigen wird und neue Warengruppen betreffen wird. Klassischerweise beginnt die Inflation bei Assets. Also: Grundstücke, Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle. Dann geht sie zusätzlich auf langlebige Rohstoff-, Halbfertigprodukte und langlebige Konsumgüter über. Das sieht man jetzt. Baumaterialien sind eben solche Lagerwaren, beziehungsweise langlebigen Güter. Beton können Sie, wenn Sie es ordentlich lagern, ewig lagern. Genau wie auch Stahl und Sand oder Silikon. Von dort ausgehend betrifft die Inflation dann auch immer mehr Halbfertigprodukte.  

Bei Mikrochips haben wir zum Beispiel mittlerweile eine globale Knappheit. Diese wird auch nicht so schnell behebbar sein, sondern tendenziell eher schlimmer werden. Man muss fürchten, dass in Asien politische Spannungen dazu führen, dass Produktion und Transport eingeschränkt werden. Das Gleiche passiert bei Lebensmitteln. Auch bei Rohstoffen haben wir quer durch die Bank starke Preissteigerungen. 

Sobald die halbfertigen Produkte betroffen sind, sind bald auch langlebige Konsumgüter betroffen. Autos, Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher. Wer heute ein Auto kauft, kann wahrscheinlich keinen Rabatt mehr aushandeln, da die Werke wegen Teilemangel teilweise stillstehen.  

Viele Automobilunternehmen praktizieren Kurzarbeit, weil einfach keine Teile da sind. Wenn Sie keine Teile haben und nicht produzieren können, dann werden Sie keine Rabatte beim Autoverkauf geben. Weil Sie wissen, dass die Nachfrage so groß ist, dass ohnehin alles zum vollen Preis gekauft wird. Dieses Verschwinden der Rabatte ist eine versteckte Inflation, die sich noch nicht in den Listenpreisen ausdrückt. Wenn Sie sehen, dass beispielsweise in Amerika, aber jetzt auch in Europa, die Gebrauchtwagenpreise in den letzten zwölf Monaten um 40% angestiegen sind, dann hat das etwas mit Knappheitsphänomenen zu tun. Knappheitsphänomene münden in Preisbildung. Diese Preisbildung setzt nicht in einer relativen Preisbildung ein, sondern betrifft Waren auf breiter Front über Warengruppen hinweg. In dem Moment, wo sie sich auf breiter Front durchsetzt, ist es keine relative Preisanpassung mehr, die zu einer Reallokation von Produktionsressourcen zwischen verschiedenen Teilbereichen führt. Stattdessen ist es eben die Inflation und die Neuzuteilung knapper Güter nach preislichen Knappheitskriterien. 

Weil die Realeinkommen nicht parallel mit der Inflation mitsteigen können, wird sich das in gewaltigen Kaufkraftverlusten der Konsumenten zeigen. Das ist kein weit entferntes Zukunftsszenario mehr. 

TW:  Inflation ist ein wichtiges Thema für jeden Sparer und Geldanleger. Auch bei den Banken liegt einiges im Argen. Was kann ein normaler Sparer machen, der beispielsweise 10.000€ oder vielleicht 100.000€ auf der Seite hat und diese aktuell noch nicht investieren möchte? Welche Möglichkeiten hat man im Bankensektor, wie sollte man seine Bank auswählen und wo ist das Geld noch am sichersten?  

3. Welche Banken sind sicher? 

MK: Hier gibt es zwei Elemente. Das eine ist die Frage der Bankauswahl. Natürlich kann ich hier jetzt nicht einzelne Banken nennen, ich bin keine Ratingagentur. Aber ich kann sagen, in welche Bankengruppe mein persönliches Vertrauen am größten ist. Ich möchte aber sagen, dass das meine subjektive Meinungsäußerung ist. 

Wir haben ein Drei-Säulen-System in Deutschland: Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Am meisten Vertrauen habe ich in den genossenschaftlichen Sektor. Dieser hatte bei den Themen Kosten und Risikomanagement in den letzten Jahren für meine Begriffe die konservativste Herangehensweise. Da gibt es natürlich auch Unterschiede zwischen den einzelnen Banken. Schließlich gibt es hunderte verschiedene Banken. Aber in den Sektor insgesamt habe ich ein relativ großes Vertrauen. An zweiter Stelle kommen bei mir die Sparkassen. Der einzige Mühlenstein, den diese an der Backe haben ist, dass die eine oder andere Landesbank immer noch riesige Altlasten mit sich herumschleppt, die nie aus der Welt geschafft wurden. Das ist für viele sehr solide und konservativ wirtschaftende Sparkassen wahrlich ein Elend. So sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit und ihren Möglichkeiten massiv eingeschränkt.  

Wer sich fragt, wo er sein Geld lagern soll, muss wissen, dass es durchaus solide Banken gibt. Man sollte einfach auf die Bilanz schauen, drauf, wie konservativ die Banken in ihrem Anlage- und ihrem Kreditportfolio sind. Wie zurückhaltend sind sie bei Positionsnahmen bei Marktrisiken? Marktrisiken haben bei einer soliden Commercial Bank in meinen Augen nichts verloren. Dafür gibt es Investmentbanken, die dann aber keine Commercial Banken sind. Sie sehen, ich bin ein Anhänger des Trennbankensystems. Dasselbe gilt für die Rückstellungspolitik. Wenn Banken in den letzten Jahren kaum Rückstellungen für drohende Verluste aus Kreditereignissen gebildet haben, dann weiß ich, dass sie das vor allem deshalb nicht getan haben, weil sie es sich nicht leisten können. Man sollte einfach bei Banken darauf achten, wer konservativ und solide bilanziert und versucht, Risiken in der Bilanz abzubilden. Dann findet sich die Antwort auf die Frage, wohin man sein Geld geben soll, recht schnell. 

Das heißt natürlich nicht, dass das Geld bei diesen Banken absolut sicher ist. Wie Sie wissen, bin ich ein großer Kritiker des insgesamten Systems. Natürlich haben die Banken vor 2007 viele Fehler gemacht. Es ist aber nicht die Schuld der Banken, dass das System von der Zentralbank ausgehöhlt wurde. Die Banken sind nicht für die Null, Niedrig- und Negativzinspolitik der EZB verantwortlich. Sie konnten sich dieser Politik nie wirklich entziehen. 

Fakt ist: Die Risiken sind da und gehen nicht dadurch weg, dass die Krise länger auf sich warten lässt, als ich vermutet hatte. 

Eine zweite Frage ist natürlich, warum man akzeptieren sollte, dass das Geld von Negativzinsen und Inflation aufgefressen wird. Ab 100.000€ nehmen so gut wie alle Banken mittlerweile Verwahr-Entgelte. Das ist nur ein anderer Name für Negativzinsen. Das Geld liegt ihnen wie Blei in den Taschen und sie können es nur bei der EZB lagern; aber wenn sie das tun, müssen die Banken dort 0,5% Negativzins bezahlen. Das geben sie an di Kunden weiter. Damit sagen immer mehr Investoren und Firmen, dass sie das Geld einfach in den Tresor oder andere liquide Assets. Anleihen kommen aufgrund der Kursmanipulation nicht mehr in Frage, da man dafür nichts mehr zurückbekommt und genauso zum Opfer der Inflation wird. Es bietet sich auch an, den Euroraum zu verlassen und in Edelmetalle und co. zu investieren. Diese klassischen Anlageempfehlungen, die ich seit drei oder fünf Jahren nenne, sind auch heute im Zuge dieser Inflation noch gültig. 

TW:  Wir hatten bereits über die Sparkassen und Raiffeisenbanken im deutschsprachigen Raum gesprochen. Wie sieht es in der Schweiz aus? Wir haben viele Schweizer Zuseher. Vielleicht fragt sich dort auch der eine oder andere, ob die Schweiz ein guter Bankenstandort ist, oder kann man das auch auf beispielsweise die Schweizer Kantonalbanken anwenden? Ist ein Schweizer Konto für mehr Geldsicherheit noch interessant? 

4. Top-Bankenstandorte 

MK:  Die Schweizer Kantonalbanken sind in den allermeisten Fällen ausgewiesen solide Institute. Ich selbst habe früher auch in der Schweiz gearbeitet. Damals habe ich ein Konto bei der Züricher Kantonalbank unterhalten. Insgesamt ist es so, dass es keine schlechte Idee ist, sein Geld in der Schweiz zu parken. Probleme resultieren allerdings daraus, dass die Schweizer Nationalbank durch den ständigen Aufwertungsdruck, den die europäische Geldpolitik auf den Franken ausgeübt hat, gezwungen war, ebenfalls ihre Geldmenge zu erhöhen und Euros zu kaufen. Dadurch ist auch dort ein erhebliches, systemisches Risiko drin. Man muss allerdings bedenken, dass das Bankensystem in der Schweiz auch nicht homogen ist. Es gibt einerseits die Kantonalbanken und auf der anderen Seite die großen internationalen Institute. Dort gibt es immer wieder spezielle Probleme, die manchmal auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden. 

Grundsätzlich denke ich aber, dass man sein Geld in der Schweiz sehr gut anlegen kann. Man kann dort auch ein Depot unterhalten, es muss nicht immer ein Konto sein. Man kann auch Wertpapiere in der Schweiz haben. Diesbezüglich hat man in der Schweiz immerhin eine Verteidigungsschicht mehr, um sich gegen den Zugriff eines gierigen Staates zur Wehr zu setzen. 

TW:  Gibt es Ihrer Ansicht nach noch weitere Länder, die Ihnen besonders gut gefallen, was den Bankensektor und Bankensicherheit betrifft? 

MK:  Das ist allgemein bekannt, dass ich diesbezüglich ein paar Lieblingsländer habe. Liechtenstein ist ganz klar mein Favorit, da es durch seine extrem libertäre Politik alle, die dort solide wirtschaften und arbeiten wollen, incentiviert.  Wer dort etwas macht und erfolgreich ist, gewinnt er. Wenn es scheitert, steht er selbst dafür gerade. Liechtenstein ist nun nicht gerade ein Land, das in der Lage wäre, einen Bail-out zu machen. Dort ist die Notwendigkeit, solide zu wirtschaften und sich über die Risiken klar zu sein, größer als irgendwo sonst auf der Welt. Gerade, weil es so ein kleines Land ist. Es gibt außerdem zwei Länder, bei denen die meisten Leute nicht vermuten würden, dass die Solidität des Bankensystems höher als bei uns ist. Im Gegenteil: Viele vermuten aus den unterschiedlichsten Gründen, dass das Bankensystem dort schlechter als bei uns sei. Das ist meiner Meinung nach falsch. Ich spreche von Großbritannien und Russland. 

Russland hat eine extrem solide Finanzpolitik, enorm hohe Standards bei der internen Transparenz von Banken und hat relativ zur Währung den größten Goldstock weltweit. 

Großbritannien hat es im Zuge des Brexit auch geschafft, sich von den erheblichen Risiken Kontinentaleuropas abzukoppeln. Dort gibt es immer noch Kanäle, die nicht ungefährlich sind, aber im Großen und Ganzen habe ich ein recht hohes Vertrauen in das riesige Know-How der Londoner City. 

Es gibt außerdem noch ein Asset, das keine Bank braucht, um werthaltig zu sein: Gold. Dafür braucht man nur ein Schließfach. 

Man ist hierbei aber immer gut beraten, zu diversifizieren. Es ist nie gut, alle Eier in einen Korb zu legen.  

TW:  Werfen wir nun noch einen Blick in die Zukunft. Digitale Währungen werden immer populärer. Es geht hierbei nicht nur um freie und dezentrale Währung wie Bitcoin und co., sondern auch um digitale Zentralwährungen der Notenbanken. Wie sehen Sie die Zukunft hier, wird es ein zweigleisiges Finanzsystem geben?  

5. Digitale Währungen 

MK:  Anstatt einer Zweigleisigkeit sehe ich hier eigentlich eine DreigleisigkeitIch sehe, dass die Zentralbanken bemüht sind, ihre eigenen elektronischen Geldsysteme zu etablieren. Sie wollen uns damit aber nichts Gutes tun, im Gegenteil. Die Zentralbanken haben außer dem Bestreben, uns zu kontrollieren, überhaupt keine Notwendigkeit, um elektronisches Geld einzuführen. Sie wollen außerdem das Bargeld abschaffen. Das muss ihre einzige Motivation sein, denn es gibt bereits privatwirtschaftlich elektronisches Geld. Jeder Konsument hat heute die Wahl, Kreditkarten, EC-Karten oder elektronische Überweisung via PayPal oder ApplePay zu nutzen. Es gibt diese Unzahl von privatwirtschaftlich betriebenen, elektronischen Zahlungssystemen bereits. So ist es fraglich, welches Bedürfnis das elektronische Geld der Zentralbank noch befriedigen soll. Die Antwort ist wahrscheinlich: Gar nichts. Es gibt dazu schon erste Bestrebungen hier in Deutschland. Da gab es vom Bildungsministerium so eine Zukunftsprognose: Deutschland 2000 irgendwas. Dort wird neuerdings schon von dem chinesischen sozialen Punktesystem geredet und ernsthaft vorgeschlagen wird, dass wir so etwas auch haben sollten.  

Wenn wir das dann auch noch mit elektronischem Geld kombinieren und die Menschen dann mit diesem Punktesystem in der Verwendung ihres Geldes und ihres Eigentums kontrollieren können, ist das der feuchte Traum aller Diktaturen. Von Mises hat gesagt, dass jeder Politiker, der Steuern eintreibt, umverteilt und dann mit diesen umverteilen Einnahmen Stimmen kauft, ein potenzieller Diktator ist. Genau das machen unsere Politiker. Sie sind kleine potenzielle Diktatoren, die die Staatskontrolle über uns Bürger immer mehr ausdehnen wollen. Das elektronische Zentralbankgeld soll den gläsernen Menschen noch durchsichtiger machen. 

Andererseits gibt es die ursprünglichen Kryptowährungen, also Bitcoin und seine Nachfolger. Das halte ich immer noch für eine hochinteressante Sache. Als Anleger bin ich aber nicht in Kryptowährungen investiert, da ich kein spekulativer Anleger bin. Die Volatilität bei Kryptowährungen ist extrem. Man kann dort möglicherweise enorm Vermögen machen, aber es besteht natürlich die Möglichkeit, dass eine solche Währung scheitert. Dennoch verfolge ich die Kryptowährungen mit Sympathie. Wenn das Experiment gelingt, freue ich mich, weil es den Zentralbanken das Leben schwerer macht. Das ist eine Barriere, die sie überwinden müssen, wenn sie unser Leben kontrollieren wollen. Deshalb halte ich Kryptowährungen für eine gute Sache. 

Dann gibt es noch ein drittes Ding, das noch existiert, von dem ich aber glaube, dass es möglicherweise eine Zukunftslösung darstellt: Der Merger von Edelmetallen und Kryptowährungen. Egal, ob staatlich oder nicht-staatlich. Eine edelmetallgedeckte Kryptowährung könnte beide Welten auf ideale Weise miteinander verbinden und die notwendige Knappheit des Geldes wieder herstellen, während man den Komfort der Kryptowährungen beibehält. Es gibt aber noch kein schönes Modell, wie das funktionieren könnte. Hier bin ich überzeugt, dass es in absehbarer Zukunft ganz viele Möglichkeiten für ein solches Modell geben wird und, dass der Markt die beste Variante aussortieren wird. 

TW:  Egal, ob Bankensektor oder digitale Währungen: Es tut sich einiges. Diese Bereiche werden auch in Zukunft sehr spannend bleiben. An dieser Stelle der Hinweis, dass du den Kanal abonnieren kannst und du gerne Daumen nach oben geben und einen Kommentar schreiben kannst, wenn dir dieses Interview gefallen hat. 

Wir geben auch immer wieder Geldsicherheits-Trainings genau zu diesen Themen der Banken- und Geldsicherheit. Du findest den Link unterhalb dieses Beitrags. Es gibt jeden Freitag einen neuen Tippbeitrag wie diesen hier. Dort kannst du dich ebenfalls für Benachrichtigung eintragen. 

Herr Krall, bevor ich Ihnen dann noch das Schlusswort übergebe, können Sie noch etwas zur Atlas Initiative sagen?  

6. Atlas-Initiative 

MK: Die Atlas Initiative tritt jetzt in die dritte Phase ihrer bisher nur sehr kurzen Existenz ein. Die erste Phase war die überraschende explosive Entwicklung unserer Mitgliederzahlen. Das hat all unsere Erwartungen um Zehnerpotenzen übertroffen. Dadurch wurde die zweite Phase gestartet, die auch eine Phase der Kinderkrankheiten war. Wir waren nämlich gar nicht darauf eingestellt, plötzlich 5.000 Mitglieder zu verwalten und das professionell genug zu machen, damit das funktioniert. Diese Kinderkrankheiten haben uns an vielen Punkten aufgehalten, zurückgeworfen und uns mit großen organisatorischen Problemen begleitet. Jetzt kommen wir in die dritte Phase, wo wir diese Kinderkrankheiten der Reihe nach beheben. Vieles ist schon behoben. Jetzt können wir uns stark auf die Sacharbeit mit unseren Mitgliedern konzentrieren und unsere regionalen Selektionen, die Fachkommission und unsere Internetpräsenz stärken. Wir haben mit unserer YouTube-Präsenz mittlerweile eine sehr hohe Reichweite. Dort kommen regelmäßig neue Videos mit interessanten Gesprächspartnern. Morgen kommt beispielsweise ein neues Video mit Thomas Berthold auf die Atlas YouTube-Seite. Wir haben Max Otte interviewt. Wir haben Hans-Georg Maaßen interviewt. Sie haben zu Fragen der Marktwirtschaft, der Geld- und Währungsordnung und auch zu den Fragen unserer Gesellschaftsordnung viel aus einer libertär-freiheitlichen, konservativen Sichtweise beizutragen.  

Gleichzeitig haben wir unsere Mitgliederzeitung auf Vordermann gebracht. So versorgen wir unsere Mitglieder regelmäßig mit entsprechenden Artikeln und Informationsmaterialien. Wir verlegen unseren Verwaltungssitz außerdem von Frankfurt nach Berlin. Es gibt einen neuen geschäftsführenden Vorstand. Von nun an können wir uns auch stärker darauf konzentrieren, aktiv an der Politik mitzuwirken. Davon erhoffen wir uns, dass wir wieder mehr Leute animieren können, bei uns mitzumachen, in den Regionen einzusteigen und in den Fachkommissionen mitzuarbeiten, um die Basis der Atlas Initiative weiter zu stärken. So sind wir dann vielleicht bald nicht mehr 5.000 Mitglieder, sondern 10.000 oder 20.000. Die Auseinandersetzung darüber, ob Freiheit oder Sozialismus in diesem Land an der Tagesordnung steht, braucht starke, freiheitlich-libertäre und demokratische Stimmen. Diese Stimmen wollen wir vertreten.  

TW: Wir werden die Atlas-Initiative und weitere Sachen unterhalb von diesem Beitrag verlinken. Werft dort am besten gleich einen Blick rein.  

Lieber Herr Dr. Krall, danke für ein sehr spannendes Interview. 

MK: Ich habe zu danken.

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