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Krieg in der Ukraine sorgt WELTWEIT für knappe Rohstoffe – was jetzt tun und wo investieren?

Was jetzt kaufen? Wie geht es mit Nahrungsmitteln weiter? Wie bereitest du dich jetzt am besten vor? Welche Rohstoffe sind besonders interessant? 

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Rohstoffe - Überblick 

  1. Aussichten 
  2. Putin-Faktor: Knappe Rohstoffe 
  3. Sanktionen 
  4. Nahrungsmittel 
  5. Resümee 

Thorsten WittmannRohstoffe - ein heißes Thema, das die Welt bewegt. Es ist ganz wichtiges Thema im aktuellen Umfeld. Auch gerade durch die Ukraine und die Situation mit Putin.  

Ich freue mich sehr, dass wir heute in Faszination Freiheit wie jeden Freitag ein spannendes Thema haben. Wir haben heute einen ganz interessanten Gast, Rohstoffexperten - Andreas Lambrou. Er beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit diesem Thema. Heute haben wir eine Schaltung von der Karibik ans Mittelmeer nach Zypern. 

Lieber Andreas, schön, dass du heute dabei bist. 

Andreas LambrouHallo Thorsten, ich freue mich. 

TW: Für diejenigen, die dich noch nicht kennen, kannst du dich in ein paar Sätzen kurz vorstellen. 

AL: Mein Name ist Andreas Lambrou. Ich bin Chefredakteur des Goldherzens Reports. Er ist unten verlinkt, wenn sich jemand dafür näher interessiert. Ich bin seit zwanzig Jahren im Rohstoffbereich als Privatinvestor unterwegs. Ich habe auch als Fondsmanager über zehn Jahre bei Schweizer Privatbanken und einer Vermögensverwaltung gearbeitet. Seit über zehn Jahren arbeite ich jetzt selbstständig im Rohstoffbereich, im Schwellenländer-Anlagebereich, vornehmlich mit Aktien und als Experte von Gold. 

TWDu hast ein ganz spannendes Dossier aktuell veröffentlicht, der Putin-Faktor. Darauf werden wir heute teilweise eingehen. Ich verfolge selbst deine Inhalte und finde sie sehr spannend, das Dossier kann ich wirklich empfehlen. Unterhalb von dem Beitrag kannst du es dir gerne herunterladen. 

Du siehst Rohstoffe bereits seit längerem sehr positiv. Ist das der Anfang einer großen Hausse, einem großen Aufschwung, oder geht dem spätestens nach Ende des Krieges wieder die Luft aus? In welche Richtung geht das und warum? 

 

1. Aussichten 

AL:  Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir bei Rohstoffen vor einem Superzyklus stehen. Goldman Sachs, JPMorgan haben ähnliche Begriffe gewählt.  

TW:  Steht dieser Superzyklus am Anfang? 

AL:  Im zeitlichen Verlauf sind wir sicher am Anfang des Superzyklus. Ich würde sagen im ersten Drittel immer noch. Wir haben jetzt die erste Welle nach oben gesehen. Es kommt allerdings im Vergleich zu allen anderen Rohstoffzyklen, die wir in den letzten hundert Jahren gesehen haben, kommt etwas ganz Entscheidendes hinzu. Das ist die Geldwertstabilität. Und das Gegenteil davon die Geldentwertung. Wir haben mittlerweile gesehen, dass die Zentralbanken weltweit in den letzten zwanzig Jahren eine immer schnellere Geldpolitik fahren, immer mehr Geld drucken. Immer mehr Schulden werden aufgenommen und die führen nicht mehr zu dem erwünschten Wachstumseffekt.  

Insbesondere, weil es eben Staatsschulden sind. Je mehr Staatsschulden man aufnimmt, desto stärker wird der Konsum gefördert und desto weniger wird in die Zukunft investiert. Wenn Investitionen ausbleiben, dann passiert genau das, dass die Rohstoffpreise irgendwann anfangen zu steigen. Es gibt keine Förderkapazitäten in ausreichendem Ausmaße. Aber das Geld wird jährlich immer weniger Wert. Die Inflation treibt das Spiel immer noch weiter. Wenn eine hohe Inflation und ein Ivestitionszyklus der Rohstoffe zusammenkommen, dann haben wir ein Preisszenario, wo sich die Rohstoffpreise vervielfachen können. Weil sich der Geldwert alle drei bis fünf oder sechs, sieben Jahre halbiert. Dann muss sich der Rohstoffpreis verdoppeln, um das wieder auszugleichen. 

TW: Jetzt haben wir eine ganz besondere Situation. Ich brauche da gar nicht viel zu sagen. Ukraine, das Thema Putin. Da hast du ein ganz interessantes Dossier veröffentlicht, der Putin-Faktor.  

 

2. Putin Faktor: Knappe Rohstoffe 

Wir verlinken es unterhalb des Beitrags. Wenn dich das interessiert, findest du dort weiterführende Informationen. 

Diese Situation beeinflusst natürlich die Rohstoffmärkte sehr stark. Welche Rohstoffe sind hier besonders Russland-kritisch? Die man vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat, weil Heizgas, Erdöl etc. sind klar. Aber da gibt es noch weitere interessante Rohstoffe. 

1. Kohle 

AL: Wir dürfen auf jeden Fall nicht die Kohle vergessen. Die Kohle ist ganz entscheidend. Auch die russische Kohle ist einer der günstigsten Kohleversorgung auf dem gesamten Weltmarkt. Kokskohle, thermische Kohle, Heizkohle, die werden mittlerweile auch von der EU gemieden. Es gibt eine Sanktion in den letzten Tagen, dass man keine russische Kohle mehr importieren darf.  

2. Stahl und Aluminium 

Aber es trifft auch Stahl, was ebenfalls häufig unterschätzt wird. Stahl ist eigentlich einer der bedeutendsten verarbeitenden Rohstoffe zusammen mit Aluminium. Bei Stahl und Aluminium haben wir auch ein Defizit. Gerade was die Energiepläne betrifft der Bundesregierung oder der EU, die jetzt gesagt haben: „Wir müssen wieder mehr in Windenergie investieren, wir müssen mehr in Solar investieren.“ Dafür braucht es Stahlbeton. Da braucht es Eisen für die Windräder, für die Solaranlagen braucht es viel Aluminium. Das ist alles wenig durchdacht, was die Regierung täglich beschließt. Man wurde ein bisschen vor den Kopf gestoßen, von Tatsachen überrannt und das ist natürlich eine sehr gefährliche Situation.  

3. Hochreines Nickel 

Dann haben wir eine sehr kritische Versorgung bei hochreinem Nickel. Es geht nicht nur um das reine Nickel. Das gibt es auch in Indonesien möglicherweise. Aber bei Rohstoffen muss man verstehen, die sind immer sehr nah an der Kapazitätsgrenze. Selbst, wenn wir ein Überangebot haben und die Preise zusammenbrechen, dann haben wir in der Regel maximal fünf bis zehn Prozent Überversorgung am Weltmarkt, so wie wir das zum Beispiel in den Jahren 2013 bis 2015 hatten. Da sind die Rohstoffpreise sehr tief gesunken, weil eben Anbieter verkaufen müssen, um einfach ihre Fabriken am Laufen zu halten und die Löhne zu bezahlen usw. Das schlägt dann um. In den Jahren 2016 bis 2019 ist jeder Rohstoff in ein Angebotsdefizit umgeschlagen.  

Erst war dieses Defizit eben nicht so groß. Das waren vielleicht ein, zwei Prozent. Das kann man über Lagerbestände ausgleichen. Das kann man über eine gewisse höhere Produktion von kleineren Anbietern auch leicht ausgleichen. Aber wenn dann plötzlich Russland reinschlägt, dann spielt es auch gar keine Rolle, ob Russland jetzt fünf oder zehn Prozent des Weltmarktes von Rohstoffen beliefert. Das ist einfach eine ziemliche Kerbe, die da rein geschlagen wird. Diese zehn Prozent lassen sich nicht ersetzen. Wir sprechen eher über fünfzehn bis zwanzig Prozent des gesamten Weltmarktes. Einzelne Länder, die mit Russland wirtschaftlich verbunden waren, insbesondere Deutschland, sind im Prinzip von dreißig, vierzig, fünfzig Prozent von Rohstoffen abhängig. Da muss man natürlich jetzt schauen, welche Rohstoffe das betrifft und wo bekommt man Ersatz her. Vermutlich so schnell gar nicht. 

4. Gas 

Es ist keiner bereit, jetzt Gas-Pipelines zu bauen. Das ist ein langfristiger Prozess. Man muss auch Flüssiggas-Terminals erst wieder bauen. Die USA haben schon jetzt sehr viel Gas Förderung nach Europa umgeleitet und die sind auch mittlerweile schon am Anschlag. Das ist alles eine sehr kritische Situation, auf die wir jetzt zusteuern. 

TW: Jetzt zusammengefasst aus Investorensicht. Wo siehst du die interessantesten Rohstoffe? Die, die wir gerade hatten oder vielleicht auch andere, was heißt profitieren bzw. nach oben gehen dürften? 

5. Gold und Silber 

AL: Ich habe im Prinzip immer so eine Dreiteilung in meinem Depot. Ich sage immer, Gold und Silber. Das ist das Erste, was man kaufen muss. Russland ist auch ein bedeutender Goldproduzent. Beim Silber sind sie auch zum Teil vertreten. Ich glaube, an der sechsten oder siebt-größten Stelle. Aber das Entscheidende ist natürlich, dass dadurch, dass die Warenströme jetzt vom Westen abgeschnitten werden und der deutsche Finanzminister Lindner gestern gesagt hat, dass sämtliche wirtschaftlichen Verbindungen zwischen der EU und Russland gekappt werden müssen. „Außer beim Gas“ hat er dann gesagt, „da können wir das nicht kappen.“  

Das ist natürlich eine sehr gefährliche Aussage, weil das nach Russland auch signalisiert: „Gas könnt ihr uns weiterhin liefern, am liebsten gratis natürlich.“ Was irrsinnig ist, was nicht funktioniert. Alle anderen Rohstoffe, da suchen wir uns einen anderen Lieferanten. So wird Russland genau das Gleiche tun. Sie werden sich jetzt schon andere Lieferanten suchen und sagen: „Dann werden wir eben nach Indien liefern, werden wir nach China liefern.“ Es gibt genug arme Länder, die unabhängig von der politischen Situation russische Rohstoffe kaufen werden, die jetzt ihre Chance sehen zu wachsen.  

Wachstum ist immer von den Rohstoffen abhängig. Wenn ein Land Rohstoffe sich sichern kann, dann hat man Wachstumspotential. Indien ist eines der größten Wachstumsländer der Welt für die nächsten zwanzig Jahre, die vielleicht vor einem ähnlichen Schub stehen, wie wir das in China gesehen haben. Deswegen wittern die natürlich ihre Chance, werden die Rohstoffe kaufen. Dann schaut die EU erstmal in die Röhre, muss sehr viel mehr dafür bezahlen.  

Man kann Gold und Silber immer noch sehr günstig kaufen, weil die Inflationserwartung noch nicht eskomptiert ist. Russland hat schon gesagt, dass man gewisse Rohstoffe gegen Gold bereit zu handeln wäre. Das wird man auch nicht einfach aus einer Laune heraus gesagt haben. Ich bin fest davon überzeugt, Russland, China, Brasilien möglicherweise andere Länder, arbeiten schon seit Jahren an einer möglichen Golddeckung für eine vertrauenswürdige Handelswährung, weil man schlussendlich es so sehen muss. Die politische Lage ist in allen Ländern unberechenbar. Dann ist es natürlich legitim, wenn Länder untereinander ihren Warenverkehr mit Gold absichern. Das geht dann in die eine und in die andere Richtung. Dieses Potenzial ist im Goldpreis noch überhaupt nicht enthalten.  

6. Öl 

Beim Öl wird es natürlich schwierig, es direkt zu kaufen. Wenn man das nicht irgendwo einlagern kann, dann muss man auf die Terminmärkte ausweichen. Das halte ich für sehr komplex für den Privatanleger.  

Aber Öl-Aktien zum Beispiel stehen immer noch auf einem nahezu hundertjährigen Bewertungstief. Man kann heutzutage immer noch Ölwerte zum zwei-, dreifachen ihres Jahresgewinns kaufen. Natürlich ein bisschen abhängig vom Ölpreis. Und wenn der Ölpreis ein bisschen runter geht, dann gehen natürlich die Erträge auch etwas runter. Man ist da ein bisschen zyklisch natürlich. Langfristig glaube ich, dass der Ölpreis noch weiter in diesem Umfeld steigen kann. Vielleicht sogar auf Kurse von 200 $ pro Barrel und mehr. Dann sprechen wir über ein einfaches Kurs Gewinn-Verhältnis bei einigen großen Ölaktien.  

Da würde ich mir auf jeden Fall einige starke Werte ins Depot legen. Das kann eine Equinor aus Norwegen sein. Es kann im Nordseebereich etwas sein. Da gibt es auch immer starke Investitionszyklen. Aber am besten gefällt mir eine Petrobras aus Brasilien. Die hat sehr hohe Dividendenrendite angekündigt. Es gibt dann natürlich auch brasilianische Wahlen in diesem Jahr noch zu absolvieren. Das ist so ein bisschen ein Politikum wie hoch die Benzinpreise in Brasilien ausfallen dürften. Das wird ein bisschen gesteuert. Aber grundsätzlich verdient diese Firma zweistellige Milliardenbeträge pro Jahr und da kann ein Anleger natürlich noch investieren. Wenn man sehr spekulationsfreudig ist und man eine Möglichkeit hat, dann könnte man auch über chinesische und russische Öl- und Gasfirmen nachdenken. 

3. Sanktionen 

TW: Jetzt eine Frage zu den ganzen Sanktionen. Jetzt aus einer moralischen Sicht für viele zumindest sind die verständlich. Aber ist es sinnvoll, was die Politik macht? Weil es jetzt nicht die ganze Welt ist, die keine Rohstoffe mehr beziehen. Länder wie beispielsweise China und Indien dürften sich durchaus freuen, dass sie die zu guten Preisen bekommen und die wollen auch diese Rohstoffe. Das heißt, wenn sich jetzt Russland abwendet, hat dann nicht eigentlich Europa das Problem?  

Es gibt eine kleine Ohrfeige gegenüber Putin, aber gleich zwei richtige Knaller gegen die eigene Wirtschaft und gegen die eigene Bevölkerung. Wie ist das einzustufen für die Wirtschaft? Wenn jetzt die Energiepreise massiv nach oben gehen und im Prinzip dadurch mehr oder weniger ein großer Teil teurer wird. Das heißt, durch den Energiebereich und auch die Rohstoffe, die überall drin sind und wo wir Verknappungen haben. Das heißt, wo nicht alles produziert werden kann und auch dadurch eine Verknappung entsteht. Wie siehst du diesen Bereich? 

AL:  Auf jeden Fall, das ist mit dem Stichwort Eigensanktionen gut umschrieben. Mit „Eigen“-Sanktionen sägen sich die Länder ihren eigenen Ast ab, auf dem sie sitzen und das ist natürlich sehr gefährlich. Ich sehe momentan ein großes Risiko. Ich würde das mit einigen Vorständen der Chemiebranche, denen würde ich mich anschließen, die sagen: „Wir stehen möglicherweise vor einer der größten wirtschaftlichen Katastrophen in Europa und Deutschland, die wir seit dem Zweiten Weltkrieg gesehen haben.“  

Es gibt einige Ökonomen, die haben jetzt in den letzten Monaten gesagt: „Wir könnten das überleben. Selbst einen Gas-Lieferstopp aus Russland könnten wir überleben.“ Ich sehe das überhaupt nicht so. Ich glaube, wenn das Gas abgeschaltet wird, das kann jeder analog versuchen, vielleicht den Strom und das Wasser zu Hause abzuschalten und dann zu schauen, ob da noch ein Leben im Haushalt überhaupt möglich ist. Das ist die große Gefahr. Momentan sind wir zum Glück noch nicht so weit. 

Vielleicht gibt es auch auf diplomatischer Ebene ganz andere Diskussionen. Vielleicht hat man sich da mit Russland schon geeinigt. Man muss auch sagen, dass die Ukraine weiterhin US-Dollar aus Russland für den russischen Gastransit geliefert bekommt. Die Gaslieferungen durch die Ukraine laufen noch. Während zum Beispiel die Yamal-Pipeline immer wieder in den letzten Wochen unterbrochen wurde und die läuft außerhalb der Ukraine. Aber durch die Ukraine gab es bisher gar keinen Gasunterbruch, gar keinen Lieferunterbruch. Das ist natürlich etwas, was mich ein bisschen wundert. Aber gut, ich kann das jetzt nicht so bewerten. Ich stecke da nicht so tief im Detail drin.  

Aber man muss natürlich sagen, dass ein Gas-Lieferstopp über einen längeren Zeitraum, ein paar Wochen, das kann man dann immer noch mit Gasspeichern dann wieder auffüllen das Ganze, aber ein Gas-Lieferstopp jetzt schon für einige Jahre in die Zukunft. Das halte ich für sehr ambitioniert. Das wird sehr große Probleme geben. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einem Gaslieferstopp über einen längeren Zeitraum auch der Euro gefährdet wäre und wir einen Inflationsschub sehen, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Durchaus im zweistelligen Prozentbereich, aber nicht nur zehn Prozent, sondern dann wirklich zwanzig, dreißig Prozent. In der Türkei haben wir auch schon eine Inflation von fünfzig, sechzig Prozent momentan, in anderen Ländern sogar über hundert Prozent. Wenn das Gas und Öl gleichzeitig abgestellt werden und es gibt dafür so schnell keine Alternativen, dann wird es sehr teuer! 

 

4. Nahrungsmittel 

TW: Wie sieht es bei den Nahrungsmitteln aus? Weizen – ein groß diskutiertes Thema im aktuellen Umfeld. Was wird uns hier nach aktuellem Stand erwarten? Rechnest du da mit größeren Engpässen? 

AL: Es ist natürlich immer so, dass nachwachsende Rohstoffe auch weltweit angebaut werden. Wenn die ukrainische Weizenernte schlecht ausfällt, dann kann man möglicherweise auf dem Weltmarkt dafür sorgen, dass es durch mehr Anbau in den USA zum Beispiel ausgeglichen wird, die ein sehr sicheres Anbauland sind. Vielleicht gibt es auch andere Staaten, die den Weizenanbau ein bisschen hochfahren können. Ich würde das jetzt nicht so auf den Weizen alles beziehen wollen. Grundsätzlich ist es natürlich der Fall, dass alle nachwachsenden Rohstoffe insgesamt teurer werden, vor allem über Gas, über Öl. Gas ist ein wichtiges Vorprodukt für den Kunstdünger. Es gibt einige Dünger, die wir aus der Erde gewinnen können. Aber ohne Kunstdünger funktioniert die Welternährung überhaupt nicht. Die steigenden Düngemittelpreise werden natürlich dazu führen, dass die Nahrungsmittelpreise auf Jahre hinweg noch teurer werden.  

Wir haben jetzt den ersten Schub dieses Jahres gesehen. Aber man muss auch berücksichtigen, dass die Düngerpreise seitdem weitergestiegen sind. Die Düngerpreise haben sich in etwa verdreifacht und sogar zum Teil verfünffacht. Das ist natürlich ein extremer Schub, der noch gar nicht in den Nahrungsmittelpreisen drin ist. Das sind die Preise der letztjährigen Ernte. Man spekuliert jetzt auf die Ernte in diesem Jahr. Aber viele Analysten erwarten, dass sich das Ganze dann entspannt, dass die Düngemittelpreise wieder zurückkommen. Deswegen sind die Preise für die Erntejahre 2023, 2024 sehr viel tiefer. Da habe ich eine andere Meinung. Ich glaube, dass wir ein nachhaltig höheres Preisniveau sehen. Weil auch überhaupt kein Dünger mehr gehandelt wird. China hat einen Exportstopp für Dünger bekanntgegeben, Russland auch. Der einzige Dünger, den wir noch anbauen können, der nicht produziert wird, das ist in Kanada, eine Firma wie Kali und Salz. Das ist natürlich noch eine Spekulation, die man wagen könnte. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei sechs ungefähr noch auf den heutigen Schätzungen. Und wenn man davon ausgeht, dass das ein längerfristiges Problem wird, wird diese Firma in den nächsten Jahren noch sehr gut verdienen. 

TW:  Ich fasse es jetzt ein bisschen zusammen. Wir haben über viele verschiedene Themen gesprochen. Man darf sich zukünftig warm anziehen, wenn man in den Supermarkt geht, weil die Preise auch weiterhin nach oben gehen werden. Man darf sich vielleicht zu Hause ein bisschen wärmer anziehen, wenn man nicht vorgesorgt hat, Thema Erdgas und Heizöl. Auch für das eigene Geld darf man sich möglicherweise warm anziehen, weil wir nicht genau wissen, wie sich das Ganze auf die Stabilität des Euroraums auswirken wird.  

Intensive Zeiten. Als Privatperson jetzt für sich selbst und Familie vorsorgen. Wie ist dein Resümee? Habe ich das jetzt so richtig zusammengefasst, würdest du das so unterstreichen können? 

5. Resümee 

AL: Ich würde auf jeden Fall sagen, dass man eine Inflationsabsicherung braucht, dass man auch nicht einfach sagen kann „Ich leg generell in Aktien an“, wie das vielfach angemessen scheint. Aktien sind natürlich interessant. Aber in wirtschaftlichen Zeiten wie jetzt muss man natürlich aufpassen, welche Aktien man hält. Man sollte Aktien von wichtigen Nahrungsmittelgütern bevorzugen und weniger Aktien von unnötigen Luxusgütern im Depot haben. Es kommt natürlich alles ein bisschen auf den Zeithorizont an. Das ist natürlich sehr wichtig, dass der Anleger sich Gedanken macht „Wie viel Geld habe ich jetzt zur Verfügung? Ist mein Arbeitsplatz sicher?“ und solche grundlegenden Gedanken. Dann kann man natürlich sagen: „Ich teile das dann ein, wieviel Prozent in Gold, wie viel Prozent in Öl investiere ich. Wieviel Prozent investiere ich in andere Rohstoffe, in Spezialrohstoffe. Auf welchem sehe ich das eher auf fünf Jahre oder zehn Jahre?“ Da würde ich dann sagen, gut das Einfachste ist natürlich Gold und Silber im gewissen Prozentsatz zu kaufen. Das können für den einen Investor zehn Prozent sein, für den anderen das zwanzig oder dreißig Prozent. Ich persönlich habe momentan eine Gold- und Silber-Quote in meinem Depot von über vierzig Prozent und schlafe eigentlich sehr gut damit. 

Das ist eigentlich für jeden ein bisschen unterschiedlich. Dann kann man sich noch ein bisschen von verschiedenen Stellen beraten lassen, wie bei dir zum Beispiel. Dann kann man natürlich besser durch diese Zeiten steuern, als jetzt einfach zu hoffen, dass es irgendwie doch alles gut geht. Wir sind momentan in einer Situation, die wir vielleicht alle 100 Jahre einmal erleben. Das können wir bei der französischen Revolution anfangen. Dann geht es dann weiter über den Ersten Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg und jetzt stehen wir möglicherweise vor ähnlich großen Verwerfungen. Ich hoffe, dass es natürlich nicht so schlimm kommt, dass es alles glimpflich ausgeht noch, zumindest viel mehr Menschenleben geschont werden, als das jetzt in den vorangegangenen Krisen der Fall war. Aber gerade was den Geldwert betrifft, da muss man sich ganz klare Gedanken machen jetzt. 

TW: Lieber Andreas, herzlichen Dank. Es war ein sehr spannendes Interview, mit sehr klaren Worten. Aber auch, was man tun kann. Danke für deine Zuschaltung aus Zypern vom Mittelmeer. Wenn du noch ein, zwei Sätze sagen möchtest, dann ist jetzt noch eine gute Zeit. 

AL:  Danke, Thorsten. Kurz zusammengefasst würde ich sagen, auch wenn man nicht so viel Geld hat, sollte man sich ein paar Silberunzen besorgen. Die kosten zwanzig Dollar ungefähr, mit Mehrwertsteuer noch ein bisschen mehr. Das ist eine gute alternative Währung. Man sollte ein bisschen Nahrungsmittel zu Hause lagern, nicht nur für 1-2 Wochen, sondern auch länger. Man sollte auch Tauschgut haben. Ich habe z.B. Kaffee. Ich habe bei mir sehr viel Kaffee gekauft, weil ich gerne Kaffee natürlich trinke. Aber der hält sich natürlich auch so lange, die Kaffeebohnen, und sollte es mal irgendwie Schwierigkeiten geben, dass ich vielleicht nicht mehr eben mein Mehl bekomme oder Kartoffeln. Dann kann ich immer noch eine Packung Kaffee dafür eintauschen oder eine Silberunze auf den Tisch legen, um mein Auto bei irgendeinem LKW-Fahrer mit Diesel noch voll machen. Das sind alles Überlegungen. Das hört sich jetzt verrückt an für viele, aber gerade mit solchen Grundsatzüberlegungen, die kosten kein Geld, das kostet nicht viel. Aber so kann man sich ein bisschen absichern, auch vor solchen Zusammenbrüchen. 

TWLieber einmal zu viel abgesichert als einmal zu wenig. Das kann einen großen Unterschied machen. Herzlichen Dank. Wir verlinken auch weitere Informationen zu dir und deinen Inhalten unterhalb von diesem Beitrag für diejenigen, die sich weiter informieren möchten. Auch dein Dossier der Putin-Faktor, wo man sich weiter einlesen kann, findest du gerne unterhalb von diesem Beitrag. Herzlichen Dank nochmal.  

ALVielen Dank, Thorsten. 

TWNächsten Freitag wieder bei Faszination Freiheit. Bis bald.  

ALAlles Gute, Tschüss.

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Rohstoff-Superzyklus: https://www.boersen-zeitung.de/kapitalmaerkte/neuer-superzyklus-db5b81e2-7475-11ec-a3e7-6cac331b8e0a 

Energie- und Industriemetallaktien in 100-jährigem Bewertungstiefhttps://www.gmo.com/asia/research-library/valuation-disconnect/ 

Gold schlägt DAX: https://www.goldherzreport.de/ausgabe-nr92022/ 


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