System der Banken – Crash in 2020? Interview mit Ex-Top-Investmentbanker

  • 10. Januar 2020

Wir haben heute eine spannende Ausgabe für die Sicherheit von deinem Geld. Wir schauen uns das System der Banken genauer an.

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Thorsten Wittmann (TW): Wie stabil ist das System der Banken wirklich? Und der aktuelle Zustand? Ja und wir haben heute einen besonderen Gast bei Faszination Freiheit, und zwar den Währungsexperten Jürgen Wechsler. Wir kennen uns seit, ich glaube, inzwischen 7-8 Jahren.

Jürgen Wechsler (JW): 10 Jahre sogar schon Thorsten.

TW: Oder vielleicht 10 Jahre. Die Zeit vergeht so schnell. Auf jeden Fall, er ist einer grad derjenigen, den ich immer frage, wenn es um das Thema Währungen geht und auch wenn es um den Bankensektor geht. Denn er war selbst 15 Jahre im Investmentbanking tätig in führender Position und heute, als Mr. Forex, zeigt er anderen, wie der Währungsmarkt funktioniert und wie man davon partizipieren kann.

Jürgen, vielen lieben Dank, dass du heute Zeit hast. Wir haben heute ein spannendes Thema.

JW: Ja

TW: Und das auch in unserer Community, sagen wir mal, gut ankommt, aufgrund der Wichtigkeit. Weil Menschen einfach verstehen, dass die Banken das Rückgrat unserer Wirtschaft sind, auch der Gesellschaft irgendwo.

JW: Ganz genau.

TW: Und da ist auch bisschen was am Argen. Du kennst den Bereich sehr, sehr gut. Bevor wir jetzt dann direkt da einsteigen, wie kann man sich das bei dir vorstellen? Was hast du da 15 Jahre lang gemacht? Du hast Währungen gehandelt? Wie kann man sichs ganz grob vorstellen?

JW: Ja im Prinzip, dass man eben kuckt, was machen die Währungen. Hat damit natürlich auch gesprochen mit Institutionen, genauso wie mit Großunternehmen etc. Ich hatte dort eben analysiert, was läuft da genau. Man muss sich auch stark um die Hintergründe kümmern. Was passiert denn eigentlich an den Märkten, um dort dann entsprechen Vorsprung zu haben. Und ja das Know-how dann am besten anbringen zu können.

TW: Ist das Thema Geld oder bei so einer Bank zu arbeiten, ist das so ein Haifischbecken, wo niemand niemandem etwas gönnt und es nur um Profit geht? Oder wie waren deine Erfahrungen?

JW: Ja. Also es gibt schon auch dort Freundschaften. Das kann man schon sagen. Aber natürlich insgesamt hast du recht. Es ist ein Haifischbecken. In den 2000’er Jahren, als ich dort war, war das garantiert sehr stark profit worth. Also das, was Profit gebracht hat, darauf wurde gegangen. Es war aber im gesamten Bankensektor so, dass das die oberste Maxime war in dem Moment.

TW: Du bist ja selbst rausgegangen. Du hast ja dann auch selber gekündigt. Was hatte das für Gründe? Selbstverwirklichung? Oder hattest du keine Lust mehr? Oder wie kann man sich das vorstellen?

JW: Ja einfach mal die Dinge selber auch umzusetzen, die man vielleicht nur dort eingeschränkt machen konnte. Als Mitarbeiter ist man natürlich unter starker Überwachung gewesen und konnte dann auch nicht frei alle Dinge machen, die man wollte. Und natürlich als Privatier dann kann man das dann so umsetzen, wie man möchte und sich weiterhin noch spannender um die Währungsmärkte kümmern. Und das Know-how natürlich viel anders nutzen.

TW: Wunderbar. Gehen wir mal auf das System der Banken ein und den aktuellen Zustand. Ist es… Wie würdest du es sehen? Du kennst die Märkte extrem gut. 15 Jahre Investmentbanking. Ist das alles Friede, Freude, Eierkuchen? Ist dort alles ok? Oder ist es wie hier gerade, wir haben eine sehr interessante Figur hier hinter meinen Schultern. Oder ist das eher so, na ja, nicht so der Hit? Wie würdest du es einschätzen? Deutsche Bankenlandschaften oder auch in Europa vor allem.

JW: Genau. Also wir haben grundsätzlich mal 3 Bankensysteme, muss man sagen. Wir haben den europäischen Markt, wir haben den amerikanischen Markt und wir haben den asiatischen Markt. Weil grundlegend 3 unterschiedliche Bankensysteme derzeit. Am fragilsten ist momentan einfach der europäische Markt. Denn man muss sagen, am besten reagiert nach der Finanzkrise hat letztendlich die US-Notenbank. Die US-Notenbank hat das sehr schnell realisiert was dort passiert und hat letztendlich den Banken dort erlaubt, sich auf Kosten der Bilanzsumme der US-Notenbank zu sanieren und hat denen ermöglicht über mehrere Jahre letztendlich im Billionenvolumen 2 % Zinsvorteil zu ergattern.

Dagegen, das europäische Pendant, die EZB, hat genau den Gegenschritt gemacht, hat letztendlich einen Strafzins eingeführt und hat damit sich saniert auf Kosten der europäischen Banken. Und damit konnte sich das europäische Bankensystem seit 2008 nicht erholen von dieser Sache, weil letztendlich hier die Gewinne gefehlt haben, die die amerikanischen Banken hatten.

Das sieht man momentan auch an der Marktkapitalisierung, an den Eigenkapitalquoten der europäischen Banken. Hier muss man sagen ist einfach ganz viel am Argen in Europa. Und es ist wie so ein kleines Kartenhaus, das sehr schnell einstürzen kann. In Europa ist das Bankensystem sehr fragil. Nicht umsonst wurde jetzt ja auch die ganze Bankenhaftung auch gemacht, um das Ganze zu stützen in irgendeiner Form. Und man muss natürlich sagen, man hat jetzt auch mit Lagarde noch jemanden als EZB-Chefin, die internationale Krisenerfahrung hat vom Internationalen Währungsfonds und natürlich auch mit Griechenland entsprechende Erfahrungen gesammelt hat. D. h., da hat man schon jemanden auf den Posten gesetzt, der dann letztendlich Krisensituationen steuern soll.

TW: Wie ist das so einzuschätzen, das Geschäftsmodell der Banken? Ist das aktuell zukunftsfähig? Es digitalisiert sich ja viel. Es kommt immer mehr Wettbewerb rein. Stichwort Fintex. Die können mit niedrigen Margen arbeiten. Ist das gut für die Banken oder ist das dann noch mal wie zusätzliches Pulver rein?

JW: Also im Prinzip, du sprichst einen sehr, sehr wichtigen Punkt an Thorsten. Vielen Banken fehlt momentan das Geschäftsmodell. Die traditionellen Ertragsbringer sind weggebrochen. Z. B. über Fintex. Aber natürlich auch über die insgesamte Bankenlandschaft. Der Wettbewerb ist groß geworden.

1. Einlagengeschäft

Sehen wir uns das Einlagengeschäft an. Ich kann eine Plattform steuern.  Auch, wo mache ich meine Einlage derzeit? Jetzt werden sogar Strafzinsen verlangt oder wie sie genannt wird, eine Guthabenverwahrgebühr. Natürlich ist da kein Ansatz im Einlagengeschäft hier groß etwas zu verdienen. Die Banken haben es früher so gemacht, viele hatten ja auf ihren Konten ihr Guthaben einfach liegen zu 0 %. Die Banken konnten früher 3-4 % von der Zentralbank bekommen. D. h., sie haben dadurch natürlich schöne Einnahmen gehabt, die es nicht mehr gibt. Das ist das eine.

2. Klassisches Kreditmarktgeschäft

Das Zweite ist natürlich das klassische Kreditmarktgeschäft. Dort sind ja aufgrund des Wettbewerbs auch die Margen so stark nach unten gegangen, dass sie vielleicht letztendlich noch die Bearbeitungskosten decken, aber nicht mehr die Risikokosten. Also die durchschnittlichen Risikokosten sind normalerweise viel höher, als momentan die Banken momentan am Markt durchsetzen können. Also sind wir da schon.

3. Vermögensverwaltung /Wertpapiergeschäft

Dritter Bereich ist der Bereich Vermögensverwaltung/Wertpapiergeschäft. Dort sind auch die Fintex entsprechend reingekommen. Und wir haben jetzt ja die ersten Anbieter, die zu Nullkonditionen Wertpapiergeschäfte anbieten. Also ist auch diese Säule weggefallen. Und d. h., die ganze Digitalisierung ist momentan an den Banken eher vorbeigegangen. Warum? Die Banken haben sehr veraltete IT-Systeme. Und Fintex können das natürlich viel leichter steuern mit den moderneren Systemen.

TW: Ändert sich das gerade, dass da die Banken jetzt auf diesen Zug aufspringen oder tun sie sich sehr, sehr schwer damit?

JW: Also die haben jetzt natürlich auch erkannt, sie müssen da was tun und haben das Ganze jetzt gelöst über Schnittstellen. Also es war ja immer wieder die Frage, macht man hier komplett neu das ganze Thema oder jetzt machen die Banken eher über Schnittstellen dieses Thema. Wo die natürlich jetzt Geschäftsfelder haben, ist Data-Mining. D. h. also, die haben einen riesigen Pool an Daten, die man geschäftsmäßig nutzen könnte. Und es kann sein, dass sie dann in Zusammenarbeit mit Fintex dann auch geschehen wird das Ganze.

TW: Wir haben viele Zuschauer auch aus Deutschland. Das ist ja auch ein wichtiger Pfeiler in Europa vom Bankensystem. Wie würdest du denn so Deutsche Bank, Commerzbank, die ja da die wichtigsten bzw. größten Banken darstellen? In welchem Zustand sind die?

JW: Ich meine aus der Presse kann man es entnehmen. Dem Aktienkurs kann man es auch entnehmen.

TW: Ja, den können wir ja gerne mal einblenden.

JW: …wie es eben generell bestellt ist. Auch die Banken leiden stark unter dem Wettbewerb in Deutschland. Das ist ja der meist gebangte Markt hier in Deutschland und Europa. Hier ist der größte Wettbewerb vorhanden. Und natürlich ist letztendlich auch dort die Frage, wie macht man mit den Geschäftsmodellen weiter. Und ja, sie tun sich sehr, sehr schwer. Eben auch gegen die Fintex, die auch hier in Deutschland sehr stark aufkommen. Und natürlich konnten sie auch keinen Speck ansammeln aufgrund der EZB-Politik der letzten Jahre. Und der fehlt einfach momentan, um den Sprung ins nächste Jahrzehnt wirklich schnell durchzuziehen.

TW: Jetzt so eine Frage. Was bedeutet das für so einen privaten Anleger? Gut, dass wir jetzt vermutlich keine Deutsche Bank Aktien oder Commerzbank Aktien kaufen sollten, mit den Risiken im Hintergrund oder was vielleicht noch kommen mag, das ist das eine. Aber wie siehst du, wie wird das Ganze weitergehen? Kann es da einen größeren Bankencrash, Knall geben? Wird es den geben deiner Ansicht nach und in welche Richtung gehen wir da?

JW: Also die Probleme bleiben erst mal. Die Banken suchen zumindest mal auch neue Ertragsfelder. Das ist da. Eben aufgrund dieses Datenpools, den sie haben, dass sie daraus was machen. Aber die Banken in Deutschland müssen letztendlich vorangehen. Das Thema bleibt fragil. D. h., also eine Bankensystemkrise kann sehr einfach ausgelöst werden! Es sind ja extrem niedrige Eigenkapitalquoten. Die Risikokomponenten werden nicht mehr verdient von den Banken. Also sobald eine kleine Rezession kommen würde, würden viele Zombieunternehmen verschwinden und damit natürlich die Risikokosten der Banken explodieren und damit noch weiter aufs Eigenkapital gehen.

TW: Ja, gehen wir da mal ein bisschen weiter. Also wir hatten jetzt einen ziemlich langen Aufschwung. Das wird nicht immer so bleiben. Aus der Historie wissen wir das. In den Medien wird da nicht viel drüber diskutiert. Rezession, das R-Wort wird nicht verwendet. Rezession wird ausgeblendet, dass es solche Risiken wieder gibt. Das gabs historisch immer wieder. Und es wird irgendwann wiederkommen. Die Staaten sind viel extremer verschuldet als vorher. Jetzt sehen wir gerade die Banken. Denen geht’s tendenziell schlechter als vorher. Also in welche Richtung kann das dann gehen. Also was kann das auch in einem Worst-Case-Fall bedeuten?

JW: Im Worst-Case kann es bedeuten, dass erst eine Fusion versucht wird, dass man es intern irgendwo regelt. Dann notfalls mit Staatsgeldern auch. Dass man dann natürlich auch die Anleger, die dort angelegt haben, dass man die mit zu Rate zieht, ähnlich wie in Zypern ja, dass damals ja über 100.000 EUR, dass dort Enteignungen stattgefunden haben. Und das nächste Mal wird es wahrscheinlich keine 100.000 EUR sein, sondern wahrscheinlich geringer der Betrag. Das wird sicherlich ein Thema sein, dass man über diesen Weg geht. Weil eine Abwicklung der Bank, kann sich derzeit wahrscheinlich keiner leisten. Sondern man wird versuchen, eine Fusion oder noch mal Kapital reinzubringen, um das nochmal als Verstaatlichung zu tätigen.

TW: Und wenn so was nicht klappt und wenn die Hindernisse wirklich zu groß sind, dann kann so ein Bankensystem auch mal über den Jordan gehen oder wie siehst du das Ganze?

JW: Das ist richtig. Es gibt schlimmere Systeme in Europa, wie in Italien, etc. oder Griechenland, da wo die Banken in noch schlimmeren Zustand sind als in Deutschland. Letztendlich müsste die EZB dort etwas tun, was sie nicht tut und auch nicht tun wird!

TW: Warum nicht deiner Ansicht nach? Eigeninteresse? Wirtschaft wird einfach weiter angekurbelt, das ist die oberste Priorität?

JW: Genau. Die EZB hat letztendlich ein Credo ja ausgegeben, ein Experiment: Man sagt die Zinsen einfach weiter senken, Geld zur Verfügung stellen und es bleibt alles in Ordnung.

TW: Wird schon irgendwie gut laufen.

JW: Genau. Wird schon irgendwie gut gehen. Es gab keinen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen Hintergrund dazu. Sondern man hat es aus Japan übernommen. Man hat schon gesehen, es funktioniert in Japan 20 Jahre nicht. Aber dann hat man es als EZB trotzdem selber auch gemacht, um zu schauen, ob vielleicht ein Europa funktioniert. Aber das hat bisher auch noch nicht funktioniert. Wir in Europa lieben Dogmen und diese Dogmen werden eben auch von der EZB durchgehalten.

Wir sehen in Schweden: Schweden hat gemerkt, dass es die Banken jetzt einfach zu stark gedrückt hat und damit auch hat Schweden wieder die Zinsen auf 0 % angehoben. Einfach um dieses zu nivellieren.

TW: Wenn du jetzt z.B. 100.000 EUR zur Verfügung hast, würdest du es auf eine Bank legen und dich sicher fühlen damit?

JW: Also wahrscheinlich würde ich es eher streuen. Weil ich denke auch die 100.000 EUR werden in der Zukunft eben nicht mehr als Sicherungseinheit gegeben werden. Sondern es wird eher dann Richtung der 20 oder 50 TSD gehen.

TW: Auf Zypern hatte man 100 TSD. Das heißt aber nicht, dass es ja wieder so sein muss.

JW: Genau. So ist es.

TW: Was kann man Bankanlegern oder bei den Konten, worauf sollte man da achten? Wo kann man hingehen und was sind noch gute Banken? Was sind deine Empfehlungen vielleicht?

JW: Sicherlich die Großbanken sind jetzt nicht ganz verkehrt. Aber natürlich sollte man da vielleicht nicht die höchsten Beträge parken. Und dann natürlich auch vielleicht außerhalb EU suchen, auch als Möglichkeit. Nicht nur Europa.

TW: Ja, ist Thema bei uns. Ja.

JW: Dass man auch außerhalb des Systems geht und nicht nur im System bleibt.

Ansonsten sind natürlich sehr stark im Verbund die Genossenschaftlichen und die Sparkassen natürlich auch, können gegebenenfalls hier erst mal noch eher sich durchwurschteln.

TW: Ja. Jürgen, vielen lieben Dank. Ich denke, es war ein sehr, sehr spannendes Interview. Also du hast auch einen Newsletter, wo du auch auf solche Themen hinweist, über Währungen und deine Expertise aus über 15 Jahren Investmentbanking weitergibst. Wir verlinken es unterhalb des Beitrags.

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Wir sehen uns nächsten Freitag wieder zur nächsten Ausgabe von Faszination Freiheit.

Dein Thorsten Wittmann® und heute mit Jürgen Wechsler.

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